Hätte ja klappen können…

Es ist (fast) eine Tradition auf meinen Reisen, dass ich entweder zum Arzt (meist ist es der Zahnarzt) muss oder in einer Notaufnahme abhänge. Der Trip ist Morgen vorbei und jetzt ist es soweit.

Ich sitze aktuell in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Es gibt hier Anzeigen, die sagen, wie lange es ungefähr dauert, wie viele Patienten warten, wie viele davon zeitkritisch sind und wie viele gerade in Behandlung sind. Ich bin schon seit etwa 45 Minuten hier und die Anzeige hat sich nicht verändert. Also gar nicht. Ich finde das Gehuste rundherum besorgniserregend. Deswegen trage ich Maske. Das ist lange her, dass das letzte Mal der Fall war. Daher habe ich viel Zeit zum Schreiben. Wie üblich sollte ich vorne anfangen.

Ach so, man muss sich, denke ich, keine Sorgen machen. Damit ich meine ganzen Einkäufe nach Hause bekomme, habe ich mir den erwähnten größeren Tagesrucksack gekauft. Der ist halt größer. Als waschechte Backpackerin träge ich den großen Rucksack hinten und den jetzt auch nicht mehr so kleinen Rucksack vorne. Das führt dazu, dass mein Sichtfeld vorne eingeschränkt ist. Man könnte sagen, ich sehe nicht, wo ich hingehe. So sehe ich auch keine Bordsteinkanten. Das führt wiederum dazu, dass ich dachte, es gibt keine. Was dazu führte, dass ich mit samt meinem Gepäck gefallen bin. Ich schätze, es sah ziemlich lustig aus. Am Knie habe ich leider keine Polsterung. Unglücklicherweise falle ich stets auf das gleiche Knie und treffsicher auf die gleiche Stelle. Das war sehr schmerzhaft und der Schmerz lässt leider nicht nach, was er sonst nach ein paar Stunden tut. Long Story Short. So will ich nicht in den Flieger steigen.

19:00 Uhr

Ich checke an der Rezeption der Klinik ein und darf das erste Mal die Kreditkarte zücken. Dort lerne ich, dass Neuseeland alle, die einen Unfall im Land haben, mitversichert. Ich bin in einer Privatklinik. Wenn ich ins Hauptkrankenhaus fahre, ist meine Behandlung sogar komplett kostenlos. Darüber hinaus werde ich über die geschätzte Wartezeit von drei Stunden unterrichtet und auch darüber, dass es im Hauptkrankenhaus deutlich länger dauert. Also bleibe ich. Die Unfallversicherung für Jedermann sorgt zumindest dafür, dass ich weniger zahle. Falls ich geröntgt werden muss, kommt meine Kreditkarte das nächste Mal zum Einsatz. Also setze ich mich, mit dem WIFI Passwort versorgt, in den Wartebereich.

19:25 Uhr

Eine sogenannte „Triage Nurse“ checkt erstmal ab, um was es überhaupt geht, nimmt ein paar Daten auf und wie es für mich weiter geht. Sie sagt, dass ich wieder ins Wartezimmer soll, damit mich ein Arzt begutachtet.

19:30 Uhr

Ich finde eine funktionierende Steckdose, um mein Smartphone zu laden.

19:40 Uhr

Ich frage an der Rezeption, ob die auf mein Gepäck aufpassen können. Machen Sie.

19:55 Uhr

Ich sitze beim Arzt, der sich kurz alles anhört, einmal auf dem Knie rumdrückt und dann sagt, dass es geröntgt werden soll. Ich nehme wieder im Wartebereich Platz.

20:15 Uhr

Ich werde erneut aufgerufen. Dieses Mal zum Röntgen. Als ich die Frage, ob die Hose über mein Knie geht, mit Nein beantwortete, werde ich eine Umkleide geführt und ziehe eine Art Bademantel an, damit mein Knie geröntgt werden kann. Es fallen weitere Kosten an. Die zahle ich direkt neben den Röntgenapparat. Mein Knie pocht und schmerzt weiter fröhlich vor sich hin. Dieses Mal nehme ich in einem kleineren Wartebereich Platz.

21:31 Uhr

Nichts passiert seit über eine Stunde. Ich warte, dass man mich erneut aufruft.

21:40 Uhr

Es kommt eine Krankenschwester mit einem Wagen vorbei, die Kaffee und Tee anbietet. Ich lehne ab, weil ich sonst vermutlich nicht mehr schlafen kann, obwohl ich länger hier bin, als mir lieb ist.

22:03 Uhr

Es passiert noch immer nichts. Außer, dass eine Familie mit zwei quengeligen Kindern neben mir sitzt, die konstant husten. Ich beginne die Geduld zu verlieren.

22:06 Uhr

Ein paar Sitze weiter hat jemand bei McDonalds Essen bestellt. Jetzt riecht es nach Pommes.🍟 Selbst durch die Maske.

22:28 Uhr

Ich beginne mich zu fragen, ob ich „vergessen“ wurde, oder meine Akte im Röntgenapparat einer zu hohen Strahlung ausgesetzt wurde. Die Geduld schwindet mit fortschreitender Geschwindigkeit dahin.

Um die Zeit zu überbrücken, schreibe ich, was ich gestern und heute gemacht habe.

Nachdem ich dem Pool entstiegen bin, habe ich ein paar Postkarten gekauft und direkt geschrieben, bevor das Entspannungsprogramm die nächste Wellnessrunde vorgesehen hat.

Wer hätte gedacht, dass ich danach zufällig bei Fergburger vorbei gegangen bin und es tatsächlich dort gar keine Schlange gab?!? Ich bin direkt dran gekommen und habe einen vegetarischen Burger bestellt.

Damit beende ich auch schon den Fergburger Abschnitt. Für die vegetarische Variante lohnt sich der der Aufwand nicht.

Nach dem Burger ging es zurück in die Unterkunft. Duschen und Packen.

Heute Morgen noch mal ein gemütliches Frühstück auf dem Balkon und dann die Erleichterung, dass alles irgendwie in zwei Taschen passt.

Der rechte Rucksack hat mir die Sicht „versperrt“

Nachdem ich mein Gepäck erneut in der Touristinfo untergebracht habe, drehe ich eine Runde durch die Queenstown Gardens und esse erneut einen vegetarischen Pie.

Was danach passiert ist, ist nun ja bekannt.

22:47 Uhr

Ich beschließe den Snack-Automaten zu plündern. Nur, um festzustellen, dass er bereits geplündert wurde. Stattdessen genehmige ich mir drei Gläser Wasser und setze mich wieder in meinen Wartebereich.

23:01 Uhr

Endlich schallt ein erlösendes Iiwa durch den Gang. Bevor es los geht, werde ich gefragt, ob die KI transkribieren darf. Der Knochen sieht gut aus. Exakt so, wie er sollte. Ich hab eine Schürfwunde und der Bereich unter dem Knie ist mit Flüssigkeit gefüllt. Mein Gewebe ist also sehr unzufrieden. Die Kompressionsstrümpfe, die ich für den Flug wieder tragen werde, sind sogar hilfreich, da der Bereich wohl weiter anschwellen wird. Allerdings ist die Stelle mehr als ungünstig. Genau da, wo die Schürfwunde ist, hören die Strümpfe auf…

23:59 Uhr

Ich hab es zur Unterkunft geschafft und versuche zu schlafen.

Fiordland

Gerade schlürfe ich „infused sparkling water“ während ich im privaten Hotpool in Queenstown chille.

In den letzten Tagen war ich viel unterwegs und oft zu müde, um was zu schreiben.

Queenstown erkenne ich in Teilen wieder. Das letzte Mal empfand ich den Ort bereits als touristisch. Ein Witz gegen den superquirligen Ort, den ich jetzt vorfinde. Hier ist es gefühlt voller als auf der Queenstreet und Queenstown verfügt über die höchste Dichte an Souvenirshops, die ich bisher erlebt habe. Mit der Wahl meiner Unterkunft im Ortsteil Fernhill (etwas außerhalb) bin ich mehr als zufrieden.

Bevor ich einchecken kann, habe ich noch Zeit eine erste Runde zu drehen. Mein Gepäck lasse ich an der Touriinfo und ziehe los. Mein erstes Ziel: mir einen größeren Rucksack kaufen, um wiederum meine vielen Einkäufe für den Rückflug zu verstauen. Da ich wusste, was ich wollte ging das flott. Den eigentlich obligatorischen Besuch bei Fergburger habe ich mir gespart, weil mir die Schlange zu lang ist, obwohl ich gehört habe, dass das gar nicht der Fall ist. Stattdessen habe ich mir meinen ersten Pie in der Fergbakery gegönnt. Die vegetarische Variante fand ich sehr gut. Im Anschluss bin ich meiner neuen Lieblingsbeschäftigung nachgegangen: einfach dasitzen und zugucken. Ohne mich großartig zu bewegen, war ich abends sehr müde. Ich wollte früh ins Bett, weil es am nächsten Morgen um 6:45 Uhr in Richtung Milford Sound losgehen sollte. Ganz in der Nähe der Unterkunft gab es sogar einen kleinen Supermarkt, wo ich alles Nötige bekommen habe.

Glücklicherweise wurde ich direkt vor der Haustür aufgegabelt. Ich hatte eine Tour mit einer Kleingruppe gebucht. Das erste Mal, dass ich mit einer organisierten Tour zum Milford Sound unterwegs war. Auch hier haben mich die Massen überrascht. Oder ich war denen damals einfach nur Voraus, weil ich vor allen Anderen unterwegs war. Auf den Fotos sieht es aus, als ob außer mir, kaum jemand unterwegs war. Das täuscht. 😅 Bestes Wetter, bis wir das Schild zum Fiordland Nationalpark passieren.

Ab da hält die regenreichste Region der Erde, was sie verspricht. Wird Zeit, dass ich meine Regenjacke mal verwende. Zum Regen hat sich auf der späteren Bootsfahrt Nebel eingestellt. Durch den Regen gab es jedoch Wasserfälle, soweit das Auge reicht. Die meisten von denen gibt es nur bei Regen. Auch hier – keine Beschwerde von meiner Seite. Die Tour hat insgesamt knapp 13 Stunden gedauert. Danach bin ich direkt ins Bett gefallen.

Auf dem Heimweg schönstes Wetter

Für heute steht Entspannung auf dem Programm, weil ich angenommen habe, dass es ganzen Tag regnet, was da vermutlich überhaupt nicht tun wird. Daher fühle ich mich gerade in meinem Hotpool bei ca. 18 Grad Außentemperatur ein wenig überhitzt.

Noch zwei Nächte, dann muss ich nach Hause, auch wenn ich gar nicht will.

Sommer ade – möglicherweise ein letztes Mal Vitamin D von oben tanken

In weniger als einer Woche muss ich nach Hause. Während ich diese Zeilen schreibe, warte ich auf Fish&Chips, trage kurze Hose und sandige FlipFlops – kurz gesagt: ich genieße Sommerfeeling. Ganz besonders weil ich das Gefühl habe die nächsten Tage werden weniger sommerlich, sondern eher herbstlich/winterlich geprägt sein. Dann kommt das Vitamin D wieder aus der Flasche und nicht mehr von oben. Dafür erwarten mich nicht minder schöne Dinge. Mehr geprägt von atemberaubender Bergkulisse.

Die Fish&Chips waren ausnahmsweise ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. 18 NZD für 1,5 Stücke Fisch, ne ordentliche Portion Pommes, eine Sauce und eine Cola dazu. Hätte ich wohl öfter sowas Essen sollen. 😅 Die Aussicht – unbezahlbar. Aber eins nach dem Anderen.

Ich war gestern übrigens nicht in Mittelerde, sondern in Lyttleton (da hab ich gar kein Foto geschossen) und danach habe ich die letzten Winkel im Botanischen Garten erkundet und einfach ein bisschen in der Sonne gesessen. Ich muss sagen, den Dreh hab ich inzwischen raus. Auf einen Ausflug nach Edoras hatte ich irgendwie keine Lust.

Für den heutigen Tag hatte ich bereits eine Busfahrt nach Akaroa gebucht. Das geht von Christchurch aus, sehr gut. Kurzentschlossen dann gestern Abend einen Kayak-Ausflug dazu. Das passte zeitlich genau und das Wetter sollte entsprechend sein. Die Busfahrt bis dahin lässt sich durchaus aus malerisch abspeichern. Fotos aus dem Bus sind selbstverständlich nicht ganz so scharf.

An Akaroa kann ich mich wiederum erinnern. Dieser Ort hat sich für mich nicht wirklich verändert. Auf dem Hinweg hatten wir ein bisschen Verspätung, sodass ich mich sputen musste, um für die Kayak-Tour nicht zu spät zu sein. Auch hier darf die Sicherheitseinweisung nicht fehlen. Inklusive dem Hinweis, was zu tun ist, falls man kentern sollte. Ich habe mir mit einer Australierin, die mit Ihrem Freund und dessen Tochter unterwegs war, dass Kayak geteilt. Zur Frage, wer das Steuer übernimmt meinte Sie, es gebe bei Ihr Erfahrung. Darauf habe ich mich verlassen. Statt, dass ich die wunderschöne Bucht, Küste und spiegelglatte See genießen konnte, war ich konstant damit beschäftigt, dass wir nicht irgendwo gegen gefahren sind. Entweder gegen andere Kayaks, unseren Guide, gegen Steine oder gegen die Küstenlinie. Sie war ich auch sehr abgelenkt und auf Ihren Freund und dessen Tochter fixiert. Am Ende hatte ich echt schlechte Laune. Hätte mich nicht gewundert, wenn wir gekentert wären. Daher habe ich mich nicht getraut Fotos zu schießen. Daher gibt es nur eins von von unterwegs aus. Aufgenommen, wo wir mal nicht auf Kollisionskurs waren…

Im Anschluss dachte ich mir, bleibe ich doch mal als Kiwi gekleidet. Shorts und FlipFlops, statt mich wieder umzuziehen. Ein Teil meiner Kleidung war ohnehin nass. So schließt sich nun der Kreis zu den Fish&Chips.

Nachdem ich diese Portion genüßlich verspeist habe, war Zeit zurück zum Bus zu gehen. Mir ist aufgefallen, dass ich noch gar kein komisches Selfie von mir selbst gepostet habe.

Wenn wir früh genug in Christchurch zurück sind, ist es mein Plan mir einen neuen Rucksack zu kaufen. Ich meine einen neuen Tagesrucksack mit mehr Stauraum. Das wird sonst eng.

Meine Füße haben sich ein bisschen erholt, weil die ein paar Tage keine Wanderschuhe gesehen haben. Dieser Luxus ist ab Morgen vorbei, denn es geht nach Queenstown. Da muss ich die sperrigsten Sachen wieder anziehen und den warmen Temperaturen auf Wiedersehen sagen. Das nächste Update kommt aus dem Fiordland.

Zurück in die Vergangenheit

Christchurch. Ich glaube, dass letzte Mal war Ende April 2014 hier. Das sagt mir jedenfalls mein Blog. Sinngemäß hab ich damals geschrieben, dass ich mich nicht besonders wohl fühle. Das kann ich dieses Mal nicht sagen. Ob es daran liegt, dass ich außer dem Avon gar nichts wieder erkenne?

Nach der Zugfahrt gestern, wollte ich mir einfach mal ohne Plan, die Stadt anschauen. Das Wetter war vormittags von leichtem Regen und Wolken, soweit das Auge reicht, geprägt.

Am späteren Nachmittag entschließe ich ins Erdbeben-Museum zu gehen. Ohne zu wissen, dass mich das ordentlich aufwühlen wird. Für alle, die es nicht wissen. Beim ersten größeren Beben in 2010 war ich selbst in Christchurch dabei. Zu sehen, wie viel Glück man eigentlich gehabt hat, setzt mir irgendwie zu. Teil der Ausstellung sind viele Augenzeugenberichte.

Als ich die Ausstellung verlasse, scheint die Sonne, was ich richtig gut finde und genehmige mir ein Eis und schlendere anschließend in Richtung botanischer Garten.

Für den morgigen Tag denke ich darüber nach Edoras zu besuchen. Für Donnerstag steht Akaroa auf dem Programm. Das Wetter soll richtig gut werden. Am Freitag geht es nach Queenstown.

Ein Wiedersehen, Futter für Buchclubs und außer Schnee alles dabei

In Picton habe ich mich mit Sabrina wieder getroffen. Wie man das halt so am anderen Ende der Welt macht.

Bevor es mit dem „Coastal Pacific Express“ weiter geht, haben wir Zeit für ein Frühstück mit Aussicht. Danach bin ich durch die Straßen von Picton geschlendert, während Sabrina aufs Gepäck aufgepasst hat. Als ich zurück komme sehe ich Sie in ein Gespräch mit einer älteren Dame vertieft. Die Fortsetzung des Gesprächs habe ich nahtlos übernommen, um das Gepäck zu beaufsichtigen. Wie sich herausstellt hat die gute Dame (Anthropologin im Ruhestand) diverse Bücher geschrieben. Ich hab Ihr erzählt, dass ich in zwei Buchclubs bin und ich es schade finde, dass Fragen an Autoren oder Autorinnen unbeantwortet bleiben. Sie meinte, dass würde mir mit Ihr nicht passieren. Kurzum hat sie mir ihre Karte zugesteckt, wo all Ihre Bücher drauf stehen. Wer weiß, vielleicht taucht ein Buch dieser Autorin demnächst im Buchclub auf?

Nicht weit weg checken wir für die Zugfahrt ein. Wieder muss das Gepäck aufgegeben werden. Wieder hatte ich Sachen am Rucksack hängen. Wieder räume ich kurzfristig um. Sabrina hat netterweise auch was untergebracht. Fahrräder aus Kowelenz sind auch am anderen Ende der Welt schwer beliebt, stelle ich fest. Beim Warten auf das Boarding freunden wir uns mit einem australisch-deutschen Ehepaar an und schnacken bis zur Abfahrt mit den Beiden. Dann ist es soweit und es kann losgehen. Wir steigen ein.

Ohne Fahrschein hätten wir uns vermutlich auch durchmogeln können. Der Zug bleibt ziemlich leer, weil eine Fähre aufgrund von Sturm, nicht rechtzeitig eintrifft.

Auf der Zugfahrt wird, außer Schnee, alles geboten, was man sich sonst vorstellen kann. Auch die Landschaft könnte nicht unterschiedlicher sein. Große Abschnitte der Strecke legen wir direkt an der Küste zurück.

Ein Besuch im Bordbistro mit neuseeländischem Wein aus Dosen darf nicht fehlen. Da ich sonst wenig Alkohol trinke, bin ich am Ende leicht angesäuselt, gebe ich zu. 😅

Bei einem kurzen Zwischenstopp in Kaikoura nutzen wir die Chance.

Wir erreichen Christchurch am Abend ich falle recht früh ins Bett.

Das war jedenfalls eine richtig coole Zugfahrt und ist sehr empfehlenswert.

Südinsel

Jedes Mal beim Rucksack einpacken versuche ich daran zu denken, Fotos zu schießen, wie ich was geschichtet habe und was an welche Stelle kommt. Keine Ahnung, wie ich es anstellen soll, wenn ich zurück fliege, weil ich einen Haufen Klamotten einfach außen am Gepäck befestige. Das ist ein Thema mit dem sich die Zukunfts-Eva beschäftigen darf. Mein tägliches Ritual des Blasenpflaster-Checks darf nicht fehlen. Seit gestern sind ein paar Neue dazu gekommen.

Erstmal wieder eine Taxifahrt. Erneut eine sehr nette Plauderei mit dem Taxifahrer. Für grundsätzliche Offenheit und Freundlichkeit sollte ich Platz im Gepäck machen und einen Haufen davon mit nach Hause nehmen. Dafür lasse ich gerne meine Blasenkollektion und die Mückenstiche hier.

Wie üblich hoffe ich, dass ich nichts liegen lasse. Geneigte Leser wissen aus eigener Erfahrung, dass ich das auch kann.

Die Zugfahrt geht schnell zu Ende und dann stelle ich fest, dass ich für die Fährüberfahrt das Gepäck aufgeben muss. Da kann ich nicht wirklich was dran hängen lassen. 🙄 Also schnell noch was umrangieren, Boardingpass ausdrucken und dann hab ich Zeit meine Stullen-Sandwiches am Hafen einzunehmen, bevor es auf die Fähre geht. In der Zwischenzeit hat ein neues Kreuzfahrtschiff angelegt, das einen nicht-enden-wollenden Strom an amerikanischen Touristen ausspuckt. Zwischenzeitlich haben auch ein paar Möwen mein Sandwich entdeckt und hüpfen eifrig vor mir her. Mein Highlight ist jedoch eine ambitionierte Sportlerin, die mit einer E-Zigarette läuft. Sachen gibt’s.

Die Überfahrt ist erwartungsgemäß beeindruckend. In der Ferne lässt sich bereits die Südinsel erahnen. Bei der Ausfahrt aus dem Hafen kreuzen wir eine größere Delfinschule.

Bei der Einfahrt in den Queen Charlotte Sound sind mir sehr viele abgestorbene Bäume aufgefallen.

Ich wittere natürlich gleich den Klimawandel als Ursache. Nach kurzer Recherche scheint der Grund woanders zu liegen. Wenn es stimmt, was ich rausgefundenen habe, handelt es sich um eine eingeschleppte Kiefernart, die sich schnell ausbreitet und den einheimischen Pflanzen Wasser und weitere Nahrung wegnimmt. Diese wird einzeln abgetötet und verrottet vor sich hin.

Wie erwähnt, ist die Perspektive anders, wenn man ohne Mietwagen unterwegs ist. Das führt dazu, dass ich mich frage, ob ich überhaupt schon mal in Picton war. Die Passagiere ohne Auto verlassen die Fähre, werden in Busse verfrachtet und dann geht es zu einem Büro, wo ich mein Gepäck wieder in Empfang nehmen kann. Blöderweise habe ich nicht aufgepasst und bin der Meinung, dass ich den kompletten Weg zur Unterkunft zu Fuß zurücklegen muss. Meine neu gewonnenen Blasen melden sich bei jedem Schritt. So laufe ich schwitzend 25 Minuten, bis ich es endlich geschafft habe und bin sehr froh, über die Dusche, die mich erwartet.

Morgen geht es mit dem Coastal Pacifix Express nach Christchurch.

Kapiti Island

Ich bin sehr froh darüber, dass ich den richtigen Tag für meinen Ausflug nach Kapiti Island ausgesucht habe. Bilderbuchwetter. Auf Tiritiri Matangi hatte ich geführte Tour gebucht. Dieses Mal wollte ich auf eigene Faust unterwegs sein. Wie erwähnt sind die Kiwis sehr streng, wenn es um ein Naturschutzgebiet geht. Schuhe schrubben und ja keine unerwünschten Besucher mitbringen. Das wird vorab strengstens kontrolliert. Ich war ein bisschen zu spät dran, um mit dem Bus pünktlich zur Abfahrt zu kommen. Da hab ich mich für ein Taxi entschieden. Wie üblich ist man schnell in ein Gespräch verwickelt und wie könnte es anders sein: der Taxifahrer hat extra angehalten, damit ich Fotos von Kapiti Island schießen konnte. Natürlich hat er den Taxameter gestoppt. Sowas ist herrlich typisch.

Nach dem Checkin und dem „Biosecurity Check“ dauert es nicht mehr lange, bis es los geht. Wir sehen unser Boot schon aus der Ferne heran rasen. Da hier alles sehr flach ist, fährt das Boot im Wasser auf einen Hänger, der von einem Traktor, mit sehr hohem Radstand, im Anschluss aus dem Wasser gezogen wird. Genau so funktioniert das auch umgekehrt. Rettungsweste an und schon ruckeln wir auf dem Anhänger in Richtung Wasser. Keine Ahnung, wie viel PS das Boot hatte, man hat jedenfalls sehr deutlich die Power gespürt. Das Meer war sehr ruhig – also alles in Ordnung und kein Anflug von Seekrankheit.

Es ist üblich, dass es auf der Insel erstmal eine Begrüßung und anschließend eine Einweisung gibt, was es alles zu sehen und vor allen Dingen zu beachten gibt.

Eine Entscheidung gab es auch zu treffen. Welchen Weg zum Aussichtsturm nehmen? Den längeren und weniger steilen Aufstieg oder den kürzeren und dafür steileren? Im Vorfeld hatte ich die Beschreibung nicht richtig gelesen. Das ist ungefähr so, wie ich Rezepte lese oder Bücher für meine Buchclubs aussuche. Meist ist nach dem Lesen der Zutatenliste oder dem Buchtitel Schluss…

Ich habe mich für den steileren Weg entschieden. 521 Meter bergauf können sich ganz schön in die Länge ziehen. Der Weg war trotzdem traumhaft. Ein schmaler Pfad durch neuseeländischen Busch. Ab und zu ein bisschen kraxeln, hier und da ein paar Vögel beobachten und natürlich viele kleine Pausen einlegen. Dafür ist eine Smartwatch sehr hilfreich. Von früher wusste ich ungefähr in welchem Pulsbereich ich mich aufhalten sollte, damit ich auch oben abkomme. Überflüssig zu erwähnen, dass mich dutzende Leute überholt haben, die nicht Mal eine Schweißperle auf der Stirn hatten.

Irgendwann ist jeder Aufstieg vorbei und man wird für die Mühe entlohnt. Mit einem Rundumblick.

Oben gibt es einen Picknick-Platz, wo ich meine Sandwiches gegessen und mich im Anschluss auf den Weg nach unten gemacht habe. Ich dachte noch, dass wird entspannter. Nach etwa fünf Minuten haben sich meine Füße zurückgemeldet. Die neuen Schuhe sind echt bequem, aber meinen Füßen kann ich aktuell nichts Recht machen. Mit Schuhe, ohne Schuhe – alles egal. Auf dem Weg nach unten habe ich den längeren Weg gewählt und wurde mit vielen schönen Aussichten belohnt. Unten angekommen erstmal Schuhe ausziehen und zum Abkühlen ins Wasser halten.

Bis zur Abfahrt des Bootes hatte ich Zeit am Strand anzuhängen.

Ich nahm an, dass die Bootsfahrt wieder angenehm ruhig verläuft. Sagen wir mal so: es fühlte sich eher wie ein recht ruppiger Flug an. Mit sehr vielen Luftlöchern. Ich musste mich gut festhalten. Für Leute mit einer Tendenz zur Seekrankheit nicht die beste Option. Ich hätte gerne Fotos gemacht – allerdings würde mein Smartphone jetzt auf dem Grund des Meeres liegen. Während der Fahrt hat sich mein Haargummi gelöst. Der schippert jetzt fröhlich irgendwo an der Kapiti Coast rum.

Wieder zurück auf dem Festland wollte ich ein Taxi zurück zur Unterkunft nehmen. Stattdessen bin ich noch mal knapp 70 Minuten zu Fuß nach Hause gelaufen. Was für eine dämliche Idee.

Zu Hause angekommen war ich erstmal duschen, hab mir was zu Essen gemacht und bin zurück zum Strand, um mir den Sonnenuntergang anzusehen. Das war wiederum filmreif.

Die Silhouette: mein nächstes Ziel – die Südinsel

Nächster Stopp – Rucksack packen und auf zur Südinsel.

Sonne so lange das Auge reicht und das genaue Gegenteil

Entspannung und Füße hochlegen war angesagt. Daher hier eine kurze Zusammenfassung der letzten Tage in Paraparaumu.

Irgendwie habe ich es in Wellington doch geschafft alles in zwei Taschen zu quetschen. Zugegebenermaßen hängen auch ein paar Dinge draußen dran.

Mein größtes und sperrigstes Ding, sind die brandneuen Wanderschuhe. Schlau wie ich war, hab ich mir ein Paar gekauft, die über den Knöchel gehen, weil ich ja bereits ein anderes Paar habe. Daher hinaus habe ich entschieden, die mal „einzulaufen“. Wohlwissend, das mein rechter Fuß das nicht gut findet. Traditionell verrutschen meine Blasenpflaster verlässlich und bäumen sich zu seltsamen Knubbeln auf, die Ursache für neue Druckstellen, wenn nicht sogar neue Blasen, sind. Manchmal muss ich das alles zurechtschneiden, damit ich überhaupt noch Schuhe tragen kann. 😅 Luxusprobleme, wenn auch stellenweise schmerzhaft. Netterweise werde ich zum Bahnhof gebracht und muss nicht mit dem ganzen Gedöns durch die hügelige Landschaft laufen.

Kaum ein Mensch kauft Zugtickets im Zug und so muss selbst der Zugbegleiter den richtigen Tarif finden und im Anschluss die korrekte Kombi an Papiertickets abreißen. Ansonsten ist die Zugfahrt unter der Rubrik idyllisch zu verbuchen. Ich denke, die Fotos sprechen für sich.

Das ist das erste Mal, dass ich in Neuseeland ohne Mietwagen unterwegs bin, was die Planung an jedem Ort ein wenig anders gestaltet. Man muss mit seinem Gepäck irgendwie an sein Ziel kommen. Ich habe einen Bus ausfindig gemacht, der mich in die Nähe meiner Unterkunft bringen sollte. An der Bushaltestelle ist kein Mensch zu sehen. Ich zücke mein Smartphone, um nach der richtigen Verbindung zu schauen – da taucht plötzlich jemand aus dem Nichts auf, der fragt, ob er mir helfen kann. Ein paar Minuten später sitze ich im richtigen Bus und finde sehr schnell meine entzückende kleine Unterkunft für die nächsten Tage.

Außer, dass ich einen Ausflug nach Kapiti Island gebucht habe, steht bewusst kein weiteres Programm an. Füße hochlegen ist angesagt. Das stellte sich als sehr schlauer Plan heraus. Am nächsten Tag hat es geregnet, was das Zeug hält. Untypisch für mich, hab ich mehr oder weniger den ganzen Tag im Bett verbracht. Das war ganz nett, muss ich zugeben.

Auch der darauf folgende Tag war eher grau und stellenweise verregnet. Aber immerhin so, dass ich mich draußen aufhalten konnte.

Ein Besuch auf Kapiti Island steht an und am nächsten Tag geht über Wellington nach Picton auf die Südinsel. Es heißt wieder Tasche packen.

Wellington

Die letzten beiden Tage, habe ich in Wellington City verbracht. Meine Unterkunft liegt in einem Stadtteil außerhalb, von wo aus ich den Zug in die Stadt nehme. Auckland und Wellington unterscheiden sich beim ÖPNV. Es gibt kein landesweites einheitliches System, was z. B. die Bezahlung angeht. Ein System wie in Auckland (Tag on/off) gibt es „nur“ mit einer sogenannten Snapper-Karte. Wenn man, so wie ich unterwegs ist, kann man im Zug zwar ein Ticket kaufen, allerdings ausschließlich gegen Bargeld. 😱 Keine Kartenzahlung möglich und man erhält Papierfahrscheine im Anschluss. Ich musste mir erstmal Bargeld leihen, damit ich Zugfahren kann.

Am ersten Tag bin durch die Stadt gelaufen und habe versucht mich zu erinnern. Was mir nicht recht gelingen wollte. Meine Zeit in Wellington war meist kurz und daher gab es nie den Luxus einfach mal so, durch die Stadt zu gehen. Über die Mittagszeit hab ich mir einen Snack besorgt und hab mich zwei Stunden am Meer in die Sonne gesetzt.

Am gestrigen Tag bin ich etwas geplanter aufgebrochen. Ich bin mit der Cable Car Bahn gefahren und habe eine große Runde im Botanischen Garten gedreht, und bin von dort aus zu Fuß zum eingezäunten Naturschutzgebiet Zeelandia aufgebrochen. Ein sehr schöner Ausflug.

Als Nächstes werde ich wieder meine sieben Sachen zusammenpacken, denn es geht es weiter an die Kapiti Coast. Dort habe ich eine Unterkunft direkt am Strand. Es gibt eine Zugverbindung die direkt dorthin führt. Nur vom Bahnhof zur Unterkunft muss ich mir noch was einfallen lassen, aber das wird schon.

Reisetag

Was tue ich an einem Reisetag? Klarer Fall – ich versuche mein Reisegepäck so zu verteilen, dass alles zu geht. Der Rucksack lässt sich kaum schließen und mein Tagesrucksack quillt ebenfalls über. Alles beim Alten. Heute nur ein kurzer Beitrag.

Mein Flug geht nachmittags. Also bleibt Zeit für ein Frühstück mit herrlichem Blick und für einen kleinen Spaziergang runter zum Wasser.

Die Fähre nach Auckland legt mittags ab und nach einem kleinen Snack geht es ab zum Flughafen. Da ich Checkin-Gepäck habe, keimt in mir die Angst auf, dass ich wieder ohne Gepäck da stehe. Alle Formalitäten gehen sehr schnell und ehe ich mich versehe, sitze ich schon im Flieger und halte ein kurzes Nickerchen.

In Wellington erhalte ich ohne Probleme mein Gepäck und erstmal eine Ticki Tour, inklusive einer großen Delfinschule, die gerade zu Besuch ist. Lässt sich nicht so richtig gut erkennen.

Für Morgen steht Wellington selbst auf dem Plan. Einfach noch mal durch die City laufen, sich ein paar Sachen anschauen und am Hafen abhängen. Ich hab ja jetzt schließlich ein Buch, das gelesen werden will.