Unser letzter voller Tag in Samarkand und Usbekistan überhaupt. Es fühlt sich an, als ob wir 6 Monate unterwegs und doch erst gestern aufgebrochen sind. Ich tippe diese Zeilen übrigens wieder aus dem Zug. Dieses Mal aus einem hochmodernen Schnellzug, der uns in zwei Stunden von Samarkand nach Tashkent bringt. Morgen sagen wir auf Wiedersehen.
Es war ja nur gut gemeint
Heute stand die Besichtigung der Bibi-Khanum-Moschee auf dem Programm. Da auf den Fotos die Höhe nicht rüberkommt, schreibe ich sie auf. Stolze 50 Meter hat das Eingangsportal, die für eine Genickstarre sorgen. Amir Timur spielt in dieser Geschichte wieder eine Rolle. Weil Amir so viel op Jück war, um andere Länder zu erobern, hat er seine Lieblingsfrau Bibi-Khanum als Bauherrin für eine neue Moschee eingesetzt. Diese Anlage ist in 5 Jahren erbaut worden. Seine Frau hat sich allerdings nicht ganz an die Anweisungen von Amir gehalten, der gut und gerne ein paar Jahre auf so einem Feldzug unterwegs war. Sie wollte Ihn eben beeindrucken. Das Eingangsportal war so hoch, dass es die innenliegende Moschee überragte. Das fand er gar nicht gut und ließ daher kurzerhand die Höhe des Eingangsportals angleichen, sodass die Moschee in etwa gleich hoch war. Mit anderen Worten: Teile des Eingangsportals wurden zerstört.













Upsi
Nebenbei hat sich die Lieblingsfrau rausgeholt gegenüber eine Moschee und Medrese für Frauen bauen zu lassen. Als Amir über die vielen Hügel nach Samarkand zurückkehrte erblickte er neben dem zu erwartenden Bauwerk ein Unbekanntes. Da ließ er gleich zu den Waffen rufen und ließ die Moschee seiner Lieblingsfrau größtenteils in Schutt und Asche legen.

Im Anschluss schlendern wir zu einer modernen Moschee, wo der erste Präsident der Ukraine begraben liegt. Davon hab ich kein Foto gemacht. Überhaupt sind wir heute viel zu Fuß unterwegs. Vor dem Essen noch mal schnell ein paar Souvenirs kaufen. Das Mittagessen nehmen wir ein letztes Mal im Bett ein.

Weiter geht es hinter dem Registan Platz vorbei in Richtung Amir Timur Denkmal. Dabei stoppen wir erneut am Grabmal von Amir. Dieses Mal gibt es dort keine Baugerüste. Das Amir Denkmal können wir nicht so richtig gut fotografieren, weil die Sonne unpassend am Firmament steht. Bevor wir zum letzten Programmpunkt aufbrechen, werfen wir einen Blick in eine orthodoxe Kirche.




Unser Fahrer gabelt uns auf und wir glauben, wir fahren in eine Galerie. Zumindest betitelt unser Reiseleiter den nächsten Punkt so. Der Fahrer kurvt in engen Seitenstraßen mit Schlaglöchern in der Größe vom Mond umher, bis wir vor einem unscheinbaren Tor zum Halten kommen. Ein blonder Teenager öffnet wortkarg das Tor und wir treten in eine sonderbare Welt ein. Schon nach den ersten Metern merken wir, dass ist ein Künstlerhaushalt durch und durch. Wir werden der russischen Hausdame vorgestellt, die uns streng beäugt. Wir fühlen uns beide etwas verwirrt und fehl am Platz. Wir werden in einen großen Raum gebeten. Der ist komplett mit Teppich ausgelegt. An der Seite befinden sich Kleiderständer voll mit Jacken, an den Wänden hängen Bilder von Frauen mit orientalisch wirkenden Kleidern, es gibt usbekische Puppen, es hängen verschiedenartige Mobile’s herum, ein Hinweisschild weist uns darauf hin, dass dort Teile von „Drei Wege nach Samarkand“ gedreht wurden und wir sehen eine Menge Seidentücher mit verschiedenen Motiven. Wir schauen uns alles an und treten zurück nach draußen in den Innenhof. Unser Reiseleiter macht keine Anstalten zum Gehen, also setzen wir uns auf zwei Hocker und harren der Dinge, die da kommen. Nach einer Weile werden wir wieder in den Raum gebeten. Unsere Verwirrung hält an. Wir wissen nicht, was passiert. Wir nehmen am Ende des Raumes Platz. Die Tür nach draußen wird verschlossen und verdunkelt. Wir sollen uns etwas anschauen. Dann ertönen orientalische Klänge und es geht los. Unzählige Frauen, tauchen in unterschiedlichen Kostümen auf, und bewegen sich zur Musik. Das ist zu Beginn ein wenig unangenehm, weil wir zu wissen glauben, dass wir in einer Galerie sind.
Am Ende erfahren wir, dass es sich um eine Darbietung aus orientalischen Märchen handelt und die russische Dame alle Kostüme (es waren unzählige) selbst entworfen und geschneidert hat. Hut ab. In einer Mischung aus Tradition und Moderne. Besser kann ich das nicht beschreiben. Es war wirklich cool, nur waren wir erstmal verwirrt, weil wir nicht wussten, was uns erwartet. Galerie ist entweder ein Übersetzungsfehler oder in Usbekistan ein dehnbarer Begriff. 😉 Jedenfalls ein sehr interessanter letzter offizieller Programmpunkt, in diesem vielfältigen Land.




Afrosiyob

Die letzten Kilometer legen wir im Zug mit dem klangvollen Namen Afrosiyob zurück. Bahnfahren läuft anders als in Deutschland. Bevor man den Bahnhof betritt, wird das Ticket und der Pass vorgezeigt. Gleichzeitig durchläuft man eine Sicherheitskontrolle und das Gepäck wird durchleuchtet. Es gibt in Samarkand ein riesiges Bahnhofsgebäude, an dem man die Sowjetzeit deutlich erkennen kann. Die Halle kann sich sehen lassen. Ich finde es verwunderlich, dass es nur ein Gleis gibt. Typisch Eisenbahner eben. Wir sind etwas zu früh und tanken vor dem Gebäude noch etwas Sonne. Kann gut sein, dass wir uns auf den letzten Metern einen Sonnenbrand eingefangen haben. 🤦🏼♀️ Kurz vor der Abfahrt dürfen wir auf den Bahnsteig. Da zaubere ich eine Fachfrage aus dem Hut. Ich frage, wie die Spurweite wohl in Usbekistan ist. Ein Bahnmitarbeiter wird konsultiert. Die Antwort lautet 1.520 mm. Mit der Auslastung gibt es in Usbekistan keine Probleme, denn alle Plätze sind stets besetzt. Muss wohl an wenigen Abfahrten liegen. Wir sitzen keine 10 Minuten im Zug und schon kommt der Bordservice vorbei. Wir wissen natürlich nicht, was die Zugfahrt kostet und fühlen uns trotzdem fürstlich versorgt. Es dauert nicht lange und dann kommt der nächste Mitarbeiter vorbei und bietet Eis und Cappuccino an. Wir reisen wohlgemerkt in der Economy-Klasse. Wir fragen nach, ob bekannt ist, an welchem Bahnhof von Tashkent wir ankommen. Die Ankunft der modernen Züge ist wohl stets gleich.




Am Bahnhof freuen wir uns sehr, als uns unser Lieblingsfahrer abholt. Wie schön – er freut sich auch uns zu sehen. Sogar unser Reiseleiter ist emotionaler als sonst. Er freut sich nämlich auch. Schon fangen die beiden an zu quatschten – ohne Unterlass. Die kichern sogar, stellen wir fest. Hihi. Voll süß. Wir sitzen im Auto – mit den wunderbar gehäkelten Bezügen, die verhindern, dass wir uns anschnallen können. Egal – es fühlt sich an, wie nach Hause kommen. Es geht weiter zum Abendessen, was nicht im Hotel stattfindet.
Es geht zwar Morgen nach Hause, aber es wird noch ein Gesamtfazit und die wissenschaftliche Betrachtung von Frau Doktor geben. Stay tuned.
Erkenntnisse Tag 13
- Im Zug von Samarkand nach Tashkent tragen die Zugbegleiter ebenfalls Maske.
- Die Spurweite in Usbekistan beträgt 1.052 mm.
- Im Zug ist die Verpflegung inklusive. 😱😱
- Wir verunsichern unseren Reiseleiter mit unserem Trinkgeld und der mitgebrachten Hamburg-Schneekugel.
Ach, ich trauere ein wenig mit Euch, dass es schon rum ist. Ich hoffe es gibt ein paar Rezepte. Für die drei Granatäpfel könnte ich anbieten usbekisch inspiriert zu kochen, an das Original wird es wohl lange nicht ranreichen.
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Vielen Dank. Wir sind auch traurig, dass wir abreisen. Rezepte und Zubereitungsarten kenne ich. Fang doch schon mal an, den Lehmofen zu bauen.
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Im Kopf ist der schon fertig. Dann gibts auch endlich mal 400 Grad Pizza! Und Brot!
Gute Heimreise!
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