Von Astronauten, verschollenen Containern und anderen Ereignissen

Einige wussten, was ich vorhabe, Andere nicht. Ich selbst weiß es seit knapp zwei Wochen. Auch wenn ich selbstverständlich länger drüber nachgedacht habe, dass ich eine Reise machen wollte, wusste ich nicht, dass ich es auch tue. Eine so kurzfristige Fernreise, ist die erste dieser Art für mich. Viele haben letztlich dazu beigetragen, dass es wirklich dazu gekommen ist.

Erstmal fange ich vorne an, bzw. mit den Fakten. Mein aufgegebenes Reisegepäck wiegt 9,5 Kilogramm. Bin drei Wochen am anderen Ende der Welt in meinem Lieblingsreiseland unterwegs. Ich habe vor Ort faktisch nichts gebucht, sodass ich zu meiner Route aktuell nicht viel sagen kann. Lassen wir uns gemeinsam überraschen. 

Die Anreise zum Flughafen hielt die ersten (erwartbaren) Überraschungen bereit. Laut Verbindung dauerte die Strecke 45 Minuten mit 1x umsteigen am Frankfurter Hbf. Ich habe knapp 2 Stunden benötigt. Ich hatte nicht auf dem Schirm, dass Friedberg so viele Eintracht Fans hat und erst recht nicht, dass es einige Karnevalisten gibt, die mit der Bahn zum Feiern fahren. Mein Kostümfavorit: Astronaut. Zufällig hält die S-Bahn vom Frankfurter Hauptbahnhof auch am Stadion und da dachte ich, dass lasse ich und buche einfach ein zusätzliches ICE Ticket vom Hbf zum Fughafen. Ich muss mich nicht mit mit dem Gepäck in diese Sardinenbüchse quetschen. Gesagt, getan. Im ICE war es herrlich leer. Die Grundidee war gut, jedoch… Fünf Minuten nach der geplanten Abfahrtszeit stehen wir weiter am Gleis und es kommt die Durchsage, dass es aktuell keinen Triebfahrzeugführer gibt und er allen für den Flughafen rät, die nächste S-Bahn zu nehmen. Dann halt doch, denke ich mir. Hatte ich vom Eintracht Spiel erzählt? Die war so voll, wie ich es erwartet hatte. Da hätte kein Blatt mehr reingepasst. Ausdünstete Körper- und Mundgerüche plus tropische Temperaturen inklusive. 

Am Flughafen angekommen, verlief alles recht ereignislos. Gepäck aufgeben und die lange Strecke zum Gate zurücklegen. Kurz vor dem Abflug noch die Kompressionsstrümpfe einbeinig anziehen und ab in den Flieger. Das Boarding dauerte allerdings über eine Stunde, da spontan noch irgendwas an der Maschine repariert wurde. Die ersten 11 Stunden gingen ganz gut vorbei. Geschlafen habe ich freilich nicht. Ich habe mir diverse Podcasts runtergeladen, die ich 11 Stunden lang gehört habe. 

Da die Maschine bereits verspätet gestartet ist, war ich mir unsicher, ob das alles mit Gepäck annehmen und Gepäck wieder aufgeben in San Francisco klappen würde. Hat es, dachte ich.

Der nächste Flug von San Francisco nach Auckland zog sich wie Kaugummi. Nicht geschlafen und ständig frierend habe ich mich tapfer durchgeschlagen, wohl wissend, wo ich am Ende aussteige. 

In Neuseeland selbst, wollte ich eben noch mein Gepäck einsammeln, um Sabrina zu Ihrem runden Geburtstag zu überraschen, in dem ich „einfach“ zur Tür rein komme. Der Plan wurde durch äußere Einflüsse verzögert.

Am Gepäckband wurden die Koffer immer weniger, doch die Anzahl an wartenden Menschen nicht. In der App hieß es, dass sich mein Gepäckstück „im Transit“ befindet. In der langen Schlange lernte ich schnell Gleichgesinnte kennen. Und die Schlange wurde länger und länger. Zuerst hatte man uns gesagt, dass wir warten sollen, weil die Mitarbeitenden des Flughafens versuchen wollten herauszufinden, wo der komplette Container mit dem Gepäck ist. Es war unklar, ob das ganze in San Francisco war, wir – aus Versehen – was über dem Meer verloren haben, oder er in Auckland direkt nach dem Start „verloren“ gegangen ist. Alles valide Theorien. Nach etwa einer halben Stunde wurden wir aufgefordert ein Formular auszufüllen und konnten die weiteren Einreiseformalitäten regeln um tatsächlich einzureisen.

Da stand ich: eingereist und mit der Gesamtsituation überfordert, weil ich natürlich keine Ersatzwäsche im Handgepäck hatte. Von einem Adapter zum Laden diverser Endgeräte mal abgesehen. Ich dachte, eins nach dem Anderen. Erstmal hab ich mich von den Kompressionsstrümpfen befreit und beschlossen in meinem Aufzug nicht mit dem Bus in die Stadt zu fahren, sondern mir ein Uber zu buchen. Was auch nur so halb geklappt hat. 

Irgendwann bin ich an meinem Ziel angekommen und Sabrinas Gesichtsausdruck war entsprechend. Überraschung gelungen. Im Vorfeld war ich investigativ tätig, weil dieses „einfach zur Tür reinkommen“ koordiniert werden wollte. Sie ist gerade auf einem Forschungsaufenthalt, zusammen mit einer Kollegin. 

Ich wurde rudimentär mit ein bisschen Kleidung ausgestattet und war erstmal duschen. Witzigerweise mit einem T-Shirt der Hochschule, an der ich studiert habe. Es gab erstmal ein Stück Geburtstagskuchen und im Anschluss war die Aufgabe neue Kleidung zu besorgen. In einem Second-Hand Laden habe ich schnell eine Hose gefunden. 

Mit der Fähre auf dem Weg in die City

Wir sind nachmittags zusammen in Richtung Innenstadt aufgebrochen, wo ich ein paar neue Schlüpper und zumindest zwei T-Shirts ergattern konnte. Damit sollte ich zurechtkommen, bis mein Gepäck wieder auftaucht, hoffe ich. Wir sind zu Fuß bis nach Ponsonby gelaufen und waren dort abends Essen (koreanische Tapas). Ich hab tapfer bis durchgehalten und heute steht unter dem Stern Organisatorisches. Ich muss mir ein paar Gedanken um die weitere Reiseplanung machen und Blog schreiben kostet auch Zeit. Da muss ich mich wieder „reinfinden“. Soweit die ersten Erkenntnisse von anderen Ende der Welt. 

Blick vom Fähranleger Birkenhead

Wat meinst Du denn so dazu?