Ich bin sehr froh darüber, dass ich den richtigen Tag für meinen Ausflug nach Kapiti Island ausgesucht habe. Bilderbuchwetter. Auf Tiritiri Matangi hatte ich geführte Tour gebucht. Dieses Mal wollte ich auf eigene Faust unterwegs sein. Wie erwähnt sind die Kiwis sehr streng, wenn es um ein Naturschutzgebiet geht. Schuhe schrubben und ja keine unerwünschten Besucher mitbringen. Das wird vorab strengstens kontrolliert. Ich war ein bisschen zu spät dran, um mit dem Bus pünktlich zur Abfahrt zu kommen. Da hab ich mich für ein Taxi entschieden. Wie üblich ist man schnell in ein Gespräch verwickelt und wie könnte es anders sein: der Taxifahrer hat extra angehalten, damit ich Fotos von Kapiti Island schießen konnte. Natürlich hat er den Taxameter gestoppt. Sowas ist herrlich typisch.

Nach dem Checkin und dem „Biosecurity Check“ dauert es nicht mehr lange, bis es los geht. Wir sehen unser Boot schon aus der Ferne heran rasen. Da hier alles sehr flach ist, fährt das Boot im Wasser auf einen Hänger, der von einem Traktor, mit sehr hohem Radstand, im Anschluss aus dem Wasser gezogen wird. Genau so funktioniert das auch umgekehrt. Rettungsweste an und schon ruckeln wir auf dem Anhänger in Richtung Wasser. Keine Ahnung, wie viel PS das Boot hatte, man hat jedenfalls sehr deutlich die Power gespürt. Das Meer war sehr ruhig – also alles in Ordnung und kein Anflug von Seekrankheit.


Es ist üblich, dass es auf der Insel erstmal eine Begrüßung und anschließend eine Einweisung gibt, was es alles zu sehen und vor allen Dingen zu beachten gibt.
Eine Entscheidung gab es auch zu treffen. Welchen Weg zum Aussichtsturm nehmen? Den längeren und weniger steilen Aufstieg oder den kürzeren und dafür steileren? Im Vorfeld hatte ich die Beschreibung nicht richtig gelesen. Das ist ungefähr so, wie ich Rezepte lese oder Bücher für meine Buchclubs aussuche. Meist ist nach dem Lesen der Zutatenliste oder dem Buchtitel Schluss…


Ich habe mich für den steileren Weg entschieden. 521 Meter bergauf können sich ganz schön in die Länge ziehen. Der Weg war trotzdem traumhaft. Ein schmaler Pfad durch neuseeländischen Busch. Ab und zu ein bisschen kraxeln, hier und da ein paar Vögel beobachten und natürlich viele kleine Pausen einlegen. Dafür ist eine Smartwatch sehr hilfreich. Von früher wusste ich ungefähr in welchem Pulsbereich ich mich aufhalten sollte, damit ich auch oben abkomme. Überflüssig zu erwähnen, dass mich dutzende Leute überholt haben, die nicht Mal eine Schweißperle auf der Stirn hatten.



Irgendwann ist jeder Aufstieg vorbei und man wird für die Mühe entlohnt. Mit einem Rundumblick.





Oben gibt es einen Picknick-Platz, wo ich meine Sandwiches gegessen und mich im Anschluss auf den Weg nach unten gemacht habe. Ich dachte noch, dass wird entspannter. Nach etwa fünf Minuten haben sich meine Füße zurückgemeldet. Die neuen Schuhe sind echt bequem, aber meinen Füßen kann ich aktuell nichts Recht machen. Mit Schuhe, ohne Schuhe – alles egal. Auf dem Weg nach unten habe ich den längeren Weg gewählt und wurde mit vielen schönen Aussichten belohnt. Unten angekommen erstmal Schuhe ausziehen und zum Abkühlen ins Wasser halten.






Bis zur Abfahrt des Bootes hatte ich Zeit am Strand anzuhängen.




Ich nahm an, dass die Bootsfahrt wieder angenehm ruhig verläuft. Sagen wir mal so: es fühlte sich eher wie ein recht ruppiger Flug an. Mit sehr vielen Luftlöchern. Ich musste mich gut festhalten. Für Leute mit einer Tendenz zur Seekrankheit nicht die beste Option. Ich hätte gerne Fotos gemacht – allerdings würde mein Smartphone jetzt auf dem Grund des Meeres liegen. Während der Fahrt hat sich mein Haargummi gelöst. Der schippert jetzt fröhlich irgendwo an der Kapiti Coast rum.
Wieder zurück auf dem Festland wollte ich ein Taxi zurück zur Unterkunft nehmen. Stattdessen bin ich noch mal knapp 70 Minuten zu Fuß nach Hause gelaufen. Was für eine dämliche Idee.
Zu Hause angekommen war ich erstmal duschen, hab mir was zu Essen gemacht und bin zurück zum Strand, um mir den Sonnenuntergang anzusehen. Das war wiederum filmreif.




Nächster Stopp – Rucksack packen und auf zur Südinsel.