mit uns.
Autor: Übern Tellerrand
Buchara hat es schwer
Tag 7 beginnt mit einem bobartigen kleinen Snack, bevor wir trotzdem am Frühstücksbuffet für Kaffee und Tee vorbei schauen. Meine Herren, die haben ordentlich aufgefahren. Deswegen gibt es neben dem Tee zwei kleine Teigwaren und ein interessant aussehendes Plätzchen. Man weiß nicht so recht, was man da grade isst, aber es schmeckt herrlich. Um 08:30 Uhr werden wir von unserem Reiseleiter vor dem Hotel erwartet. Die Sehenswürdigkeiten in Buchara liegen etwas weiter auseinander, sodass unser Fahrer zwischendurch zum Einsatz kommt. Dieses Mal werde ich keine so ausführliche Beschreibung abgeben. Sonst habt Ihr am Ende gar keinen Grund mehr nach Usbekistan zu fahren, weil Ihr schon alles wisst. Das wäre doch schade.

Bolo Haouz Moschee

Wir fahren mit unserem Fahrer in Richtung Zitadelle Ark. Google Maps weist dieses Mal den richtigen Weg. Ohne uns zu verfahren, erreichen wir den gewünschten Ort. Geht doch. Die Zitadelle ist aus dem 6. Jahrhundert und wurde in der Grundfläche im Sternbild des Bären gebaut. Natürlich gibt dazu eine passende Geschichte, die ich nicht mehr ganz zusammen bekomme. Alle imposanten Bauwerke haben eines gemeinsam: sie wurden zahlreiche Male erobert. Die Namen die am häufigsten fallen: Dschingis Khan, Amir Timur und die Sowjets.




Nach der etwas farblos wirkenden Festung steigen wir ins Auto. Von der gestrigen, sehr geschmeidigen Fahrweise ist heute kaum noch was zu erkennen. Heute fährt er wie Uli (die versteht was ich meine 😜). Unser Reiseleiter entdeckt eine Medrese als wir vorbei fahren. Der Fahrer geht in die Eisen und wir springen für einen kurzen Fotostopp raus.

Wieder zurück im Auto merken wir nach einer Weile, dass die Stimmung auf den vorderen Plätzen merklich abkühlt. Wir vermuten, dass Google Maps unseren Fahrer erneut im Stich gelassen hat, was unser Guide doof findet. Wir cruisen so lange durch die Gegend, dass ich mit Sicherheit eingeschlafen wäre, wenn er so wie gestern gefahren wäre. Heute wurde ebenfalls vier Mal nach dem Weg gefragt, bis wir das gewünschte Ziel erreichen: Chor Minor.



Ohne weitere Vorkommnisse schaffen wir es zurück zum Ausgangspunkt in der Nähe unseres Hotels und schauen uns ein paar Sehenswürdigkeiten in der Nähe an. Wir sind nach wie vor ein wenig verunsichert, weil uns Buchara, bzw. die Sehenswürdigkeiten etwas farblos vorkommen.












Ein Highlight des Tages ist die Fahrt mit einem offenen Electro-Car, das uns zur nächsten Attraktion bringt.
Unmittelbar vor dem Mittagessen schauen wir uns ein weiteres Eingangstor der Medrese Nodir Devon Begi an, die keine eigene Moschee aufweist. Wir nehmen in einem sehr schönen Restaurant unser Mittagessen ein. Dieses liegt direkt an einem Wasserbecken Labi Hovuz.



Nach dem Mittagessen besuchen wir eine Kalligrafiewerkstatt, wo wir eine kleine Überraschung erleben. Wir lassen uns, nicht wie sonst, komplett berieseln. Nein – wir sollen malen. Das wird interessant… Wir sitzen mit dem Sohn einer der bekanntesten und traditionsreichsten Kalligrafen aus Usbekistan zusammen an der Palette und sollen Granatäpfel malen. Das hat erstaunlicherweise Spaß gemacht. Während wir den Anweisungen den Meisters folgen und lauschen, bekommen wir wieder Tee und Obst gereicht.



Nach der kleinen Malstunde schauen wir uns eine weitere Medrese an und dann haben wir überraschenderweise frei.







Wir machen die Gegend noch ein wenig unsicher, bevor wir uns am Labi Hovuz auf ein weiteres Heißgetränk niederlassen. Dann ins Hotel kurz ausruhen, duschen und ne Runde Klamotten waschen, bevor das Abendessen um 18:00 Uhr startet.




Erkenntnisse an Tag 6
- Xiva hat uns verdorben.
- Usbeken sind keine Frühaufsteher, obwohl man das aufgrund der Temperatur vermuten könnte.
- Man kann hier vom Boden essen. Drinnen wie draußen. Zu irgendeiner Zeit fegt immer jemand die Straße.
- Züge fahren nur sehr langsam.
- In Buchara gibt es 160 Medresen.
- Unser neuer Fahrer liebt Musik. Wenn wir uns grade was angucken, dreht er voll auf und wenn wir dann wieder ins Auto steigen, hat er vergessen, dass die Musik noch laut ist.
- Taxis sind in Buchara ausnahmsweise gelb, statt weiß.
- In Buchara müssen wir mindestens 1 x nach dem Weg fragen, egal wo wir hin wollen. Meistens bleibt es jedoch nicht bei einem Mal.
- Die Kuppeln von Gebäuden sind entweder Tübbeteken (Lautschrift) oder Baumwollknospen nachempfunden.
Bob fährt durch die Wüstensteppe
Tag 6 beginnt ein bisschen wehmütig. Xiva ist ist einfach zu beeindruckend. Man darf sich fragen, ob da noch was geht? Für heute steht eine sechsstündige Zugfahrt von Xiva nach Buchara auf dem Programm. Wir fahren, wie die Einheimischen, mit dem Zug. Wir hatten die Idee, dass wir Teile von „Bob“ zum Frühstück verzehren, aber irgendwie hat keiner von uns Hunger, sodass wir beschließen ihn mit auf große Fahrt zu nehmen.
Wir fahren Stunde um Stunde durch die immer gleiche Steppenlandschaft. Einzig die Variation an Steppengras ändert sich. Wie üblich hat eine von uns immer die Augen zu und macht ein kleines Nickerchen. Ich kämpfe über 4 Stunden mit der Technik, denn mein Handy läuft ständig heiß, während ich verzweifelt versuche die Stadtführung mit dem Khan von Xiva Revue passieren zu lassen. Entweder erhitzt sich mein Gerät, oder die App schmiert ab. Das ist zuweilen sehr frustrierend. Jammern auf hohem Niveau.

Wir versuchen morgens unseren Reiseleiter davon zu überzeugen nicht gleich um 18:00 Uhr ein 4-gängiges Abendessen zu planen, wenn wir erst um 15:00 Uhr zu „Mittag“ essen. Und es gibt noch „Bob“ die Honigmelone. Der will auch gegessen werden. Er eignet sich übrigens prima als Armlehnenersatz im Auto. Im Zug sitzt er brav zwischen uns und ist nicht besonders gesprächig.
In Buchara angekommen erschlägt mich die Hitze in Sekunde eins, da bin ich noch nicht auf dem Bahnsteig. Dann der zweite Schock für eine „Eisenbahnerin“. Um zum Bahnhofsgebäude zu gelangen, müssen wir zwei Mal mit Gepäck über die Gleise…


Planlos in Buchara
Neue Stadt, neuer Fahrer. Ich habe meinen Lieblingsfahrer und jeder neue Fahrer muss sich daran messen lassen. Der Neue fällt gleich durch, obwohl er noch nicht losgefahren ist. Nachdem Sabrina, Bob und ich auf der Rückbank Platz genommen haben, merken wir schnell, dass in diesem Chevrolet geraucht wurde. Klischeehaft hängt ein Duftbaum im Auto. Nun gut, wir haben in Usbekistan gelernt uns nicht von Äußerlichkeiten blenden zu lassen. Fahren ist wichtiger als der Geruch im Auto, denn schließlich soll er uns bis Samarkand begleiten. Der erste Stopp wäre das Restaurant fürs Mittagessen. Zunächst fährt er unauffällig und wir denken schon, er gehört in die Kategorie neutraler Fahrer. Fährt gut, ohne Besonderheiten. Bis sein Google Maps Ihn im Stich lässt. Dann wird es richtig interessant. Bisher auch der erste Fahrer, der überhaupt mit Navi fährt. Als Usbekistan-Expertinnen sehen wir das natürlich gleich schon am Nummernschild, denn die erste Zahl gibt an, aus welcher Region der Fahrer kommt. Unser Fahrer ist eindeutig nicht aus Buchara. Wir suchen wohlgemerkt ein Restaurant. Wir drehen diverse Male um und fahren ein Stück zurück. Dann fahren wir in eine Einbahnstraße, weil Google Maps sagt, dass da der richtige Weg ist. Vor uns fährt auch ein Auto gegen die Einbahn. Was soll’s. Merklich werden die Straßen enger und enger und enger, sodass man sich zurecht Fragen darf, wie da überhaupt ein Auto durchpassen soll. Unser Fahrer verzieht keine Miene und bleibt bei 42 Grad Außentemperatur cool und manövriert seinen Chevrolet sicher durch die engen Gassen. Manchmal hätte nur ein Blatt zwischen uns und die Hauswände gepasst. Nachdem wir uns aus dem Labyrinth rausgekämpft haben, stellt sich heraus, dass wir falsch sind. Zum ersten Mal wird nach dem Weg gefragt. Also wieder zurück durch die engen Gassen. Wir werden noch vier weitere Male anhalten, um nach dem Weg zu fragen. Statt 15:00 Uhr erreichen wir erst 45 Minuten später das Restaurant. Mir läuft und läuft der Schweiß einfach nur so runter und Hunger hab ich auch nicht. Es ist erstaunlich wie der Körper schwitzt, wenn man noch eine Kanne heißen Tee hinterher schüttet. Irgendwann brechen wir Richtung Hotel auf, was sich ein bisschen einfacher gestaltet. Unsere neue Bleibe liegt wieder mitten in der Altstadt und bisher reicht Buchara noch nicht an Xiva ran, was sicherlich bald ändern wird.
Im Hotel angekommen brauche ich erstmal 45 Minuten um sprichwörtlich abzukühlen. Es steht noch die Schlachtung des Bob auf dem Programm, welchen ich fachmännisch zerlege. Er ist sehr geschmackvoll. Yummy.

Danach drehen wir eine kleine Runde in der näheren Umgebung und ich versuche den letzten Blogartikel zu veröffentlichen. Weiter geht es zum Abendessen.



Heute war nicht viel los bei uns, daher ein kurzer Artikel. Die Erkundung von Buchara steht auf als nächstes auf dem Programm.
Der Khan von Xiva
Upsi
Erstmal darf ich ein paar Fakten grade ziehen. Ich weiß seit gestern, dass ich Quatsch mit Soße verkündet habe. Dabei geht es um die Bezeichnung des Fürstentitels. Fälschlicherweise habe ich behauptet, dass Han und Khan zwei paar Schuhe sind. Fehlanzeige. Khan ist eine Schreibweise für diesen Titel und Han hört sich das ausgesprochen an, oder vielmehr Chan. Reines Wunschdenken, dass Han Solo und der Übeltäter Khan in Usbekistan Hauptrollen gespielt habe . 🤷🏼♀️ Schade, ist aber so.
Von der Sauna in den Kühlschrank
Es scheint, dass die Hitze für mich zu einem ähnlich wichtigen Thema wird, wie die Gastfreundschaft. Um etwa drei Uhr wache ich in der ersten Nacht in Xiva schweißgebadet auf. Völlig entnervt denke ich ans Schlimmste und vermute Fieber. Erstmal aufstehen und checken. Die Anzeige auf dem Fieberthermometer würde eher empfehlen, dass ich mir Jacke, Mütze und Schal anziehe. Kurzer Check bei Sabrina – die schwitzt sich auch eins ab. Wir beschließen die Klimaanlage anzuwerfen. Unser Zimmer verwandelt sich binnen kürzester Zeit von einer Sauna in einen etwas zu warm eingestellten Kühlschrank. Sehr wohltuend.
Mitten rein ins Märchen
Ich nehme Euch mit, in diesen mit Wissen vollgepackten Rundgang durchs märchenhaften Xiva. Bequeme Schuhe anziehen, eincremen nicht vergessen, zwanzig Liter Wasser in den Rucksack räumen und eine Kopfbedeckung einpacken. Ein Fächer macht sich auch gut. Heute soll es heiß werden.

Ein Khan, der mit den Augen spricht
Unser Reiseleiter empfängt uns, nach einem Frühstück mit klassischer Musik, und wir starten unsere Erkundung von Xiva direkt vor der Haustür. Das Hotel liegt mitten in der historischen Altstadt, die Weltkulturerbe-Status hat. Nach einem kurzen Fußmarsch treffen wir auf einen weiteren Guide, der uns heute die Schönheiten von Xiva näher bringen wird. Da wissen wir noch nicht, dass wir mit der Person unterwegs sind, die in Xiwa alle zwei Meter jemandem die Hand schüttelt, dessen Handy ununterbrochen klingelt, der Schlüssel für diverse Räume in der ganzen Stadt hat und jemandem und der mit seinen Augen sprechen kann. Um uns erstmal zurechtzufinden starten wir vor einer Karte, die uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Altstadt zeigt.



Kalta Minor
Ist ein unfertiges Minarett, welches trotzdem stolze 29 Meter hoch ist und einen Durchmesser von 14,2 Metern aufweist. Der damalige Khan ist beim Bau gestorben. In solchen Fällen ist es untersagt ein Gebäude, was der Verstorbene begonnen hat, zu vollenden. Das lässt man dann lässt halt so. Es gibt verschiedene Theorien wie hoch das Minarett mal hätte werden sollen. Es wurde errechnet, dass bei 14,2 Metern Durchmesser eine maximale Bauhöhe von 140 Metern hätte rauskommen können. 29 Meter sind schon beeindruckend.

Polon Qoriy
Dieses Gebäude wirkt etwas untypisch von der Architektur her und es kommt auch gänzlich ohne Fliesen aus. Dieses Gebäude gehörte einem Stoffhändler, der viel in Europa unterwegs war. Der Khan war nicht nur der oberste Chef, sondern gleichzeitig auch das Bauamt. Er genehmigte schließlich den Bau dieses Komplexes.

Ko’hna Ark Saroyi
Dieser riesige Palast liegt direkt gegenüber des europäisch anmutenden Gebäudes. Es gibt einen äußeren und inneren Teil der Festung, die dem Khan gehörte. Davor befindet sich ein Platz, der für politische Bekanntmachungen aller Art genutzt wurde. Statt einer Twitternachricht ließ der Khan auf der Trompete spielen, damit alle Bescheid wussten, dass es was Neues es gibt. Dann strömten alle herbei und konnten sich die News abholen. Wie das bei Versammlungsplätzen so üblich ist, war dieser Platz gleichzeitig der Schauplatz, wenn es um Folterungen und Hinrichtungen ging.

Ko’hna Ark Saroyi – innerer Teil
Die Festung entstand etwa im 1600 Jahrhundert und wurde diverse Male erobert. Wenn man das Eingangsportal durchschreitet erblickt man im Innenhof diverse Ruinen. Diese gab es vor der Pandemie nicht 😱. Die Ausgrabungen dauern an. Man hat ein Gefängnis, eine Staatskammer und Wohnstätten der Versire freigelegt. Nebst einem Badehaus für den Khan. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man heute drei Nischen. Früher waren dies Zimmer, um zu prüfen, wer denn da eigentlich in den Palast wollte und damit sich Gäste ausruhen konnte. Die Sowjets haben die Zimmer geschlossen.


Wir arbeiten uns tiefer in den Palastkomplex vor und treten nach einem Durchgang hinaus in einen weiteren Innenhof, in dem sich die Sommermoschee befindet. Ein unglaublicher Anblick in blau. Auf den Kacheln finden sich arabische Buchstaben in persischer Sprache. Das Design der geometrische Figuren und floralen Mustern in den Farben, weiß, blau und türkis sollte die Nerven beruhigen. Die vielen Fliesen wurden neben Gips mit 12 cm Nägeln befestigt. Beim Brennen der Fliesen wurde dafür bereits ein Loch in der Mitte berücksichtigt, da diese sonst kaputt gehen würden, wenn man versucht einen Nagel einzuschlagen.




Als Khan ist man gleichzeitig auch Bank und prägt seine eigene Knete. Wir lassen uns erklären, wie die damalige Währung entstanden ist. Next stop Münzprägerei. Auf der eine Seite einer Münze steht der Name des Khan und auf der anderen Seite der Name Gottes. Papier war früher Mangelware. Da hat man kurzerhand Geld aus Seidenstoff mit Hilfe von Druckplatten hergestellt. Einige Münzen hatten ein kleines Loch. Da konnte man sein Geld auffädeln und dies wurde als Portmonee verwendet. An der Wand läuft auf einem Fernseher ein kleines Erklärvideo und wer kommt uns da bekannt vor? Richtig unser Guide. Als wir Ihn im Video erkennen dämmert uns, dass wir mit einer wichtigen Person unterwegs zu sein scheinen.





Wir treten auf einen weiteren Innenhof. Auf den runden Erhebungen wurden im Winter Jurten aufgestellt. Im am Hof angrenzenden Empfangsraum durfte man dem Khan sein Anliegen vorbringen, wenn das Wetter schlecht war. Der Raum hat drei Türen. Es gibt eine klare Regelung, wer durch welche Tür eintreten darf. Eine Tür ist nur für den Khan. Die mittlere für Stellvertreter und Familie und durch die letzte darf der Pöbel rein.


Qozixona XIX Asr
Nächster Halt: Folterkammer. Wir verlassen den imposanten Palastkomplex und kehren direkt daneben ein. Da ist es schön kalt drin und wir schauen uns verschiedene Bestrafungs- und Tötungsmethoden an. Die Palette reicht von pfählen, lebendig mit dem Kopf voraus begraben werden, vom Minarett geworfen zu werden, ausgepeitscht, aufgehangen oder gesteinigt zu werden.

Muhammad Rahimxon II Madrasi
Danach treten wir wieder hinaus in die Hitze und machen uns auf den Weg in ein Museum, welcher früher eine Koranschule war. Das Tor stammt es dem Jahr 1871. Es gibt ebenfalls einen äußeren und inneren Hof. Außen wohnten und lernten die Schüler in 81 Wohnzellen. Die Studis hatten zur Finanzierung einen eigenen Acker, um Essen anzubauen und zu verkaufen und um das Studium zu finanzieren. Unsere Guide erklärt uns, dass es eine ehrliche Zeit war. Es gibt eine überlieferte Geschichte. Ein Schüler hatte eine Frage an seinen Lehrer, der sich gerade mitten im Studium befand. Zu jener Zeit wurden Öllampen als Schreibtischlampen genutzt. Einmal hatte der Lehrer eine Öllampe, die ihm vom Khan zur Verfügung gestellt wurde und eine private Öllampe. Als der Schüler seine Frage stellte, löschte der Lehrer die Öllampe des Khan und zündete seine eigene Lampe an. Er erkläre dem fragend drein blickenden Schüler, dass dies keine Angelegenheit sei, die Ressourcen des Khan zu vergeuden, sondern eben einfach eine Frage eines Schülers an seinen Lehrer. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Geschichte richtig wiedergebe. Das ist, so denke ich, auch gar nicht der Punkt, denn die Botschaft ist klar.



Juma Masjid X – XVII Asrlar
Wie gehen ein paar Straßen weiter und kommen zur tausendjährigen Moschee. In der Nähe steht ein Minarett von 47 Metern Höhe und 81 Stufen. Das ist bisschen schief, weil das Erdbeben aus 1966 (#tashkent) nachgeholfen hat. In der beeindruckenden Moschee angekommen, hören wir die Geschichte über einen arabischen Reisenden namens al Masri. Der kam auf seinen Reisen hier vorbei und erwähnte diesen Ort in seinem Reisetagebuch. Jedoch ohne Angabe wie viele Säulen – es gibt insgesamt 213 Säulen – er sah. Mittendrin steht ein kleines kuppelförmiges Häuschen. Das ist eine Art Geschenkplatz. Da ließen reiche Leute mitgebrachtes Essen, welches arme Leute wiederum mitnehmen konnten. In dieser Moschee haben bis zu 3.000 Menschen Platz.




Sayyid Islom Xo’ja Madrasi
Zum nächsten Komplex den wir betreten, gehört ein Minarett, eine Medrese und eine Moschee, die einem Stellvertreters eines Khans gehörte: Sayyid Islom Xo‘ja. Dabei handelt es sich um das höchste Minarett Usbekistans mit 57 Metern und 118 Stufen. Es wird heute als Museum genutzt.





Me’Morchilik Yodgorligi Pahlavon Mahmud
Letzter Stopp vor dem Mittagessen. Wir besuchen das Haus von Me’Morchilik Yodgorligi Pahlavon Mahmud. Er wurde mit Erlaubnis des Khans zu Hause begraben. Er war ein sehr bekannter Ringer, Kürschner und ebenfalls Dichter. Verheiratet war er nie, weil er glaubte, dass lenkt ihn ab.

Keiner hat Hunger, gegessen wird trotzdem
Nach vier Stunden Dauerberieselung essen wir ausnahmsweise mal in einem Tourischuppen zu Mittag. Schmecken tut es trotzdem. Inzwischen zahlen wir selbst für unser Mittagessen und sind entsetzt, dass wir 100.000 SOM für eine Flasche Wasser, 2 Kannen Tee, Brot, zwei Suppen, ein Hauptgericht und Desert zahlen sollen. Das sind umgerechnet etwa 10 Euro. Sonst zahlen wir eher 4 Euro. 🤪
Nach der Mittagspause starten wir erstmal locker und sind in irgendeiner Seitenstraße, wo die Originalsteine erhalten ist. Die Platten sind zwischen 30 – 50 cm. Warum? Damit die Gebäude sich nicht zu nahe kommen. Ziemlich einfache und einleuchtende Antwort.

Tosh Hovli Saroy
Eine Palastanlage, die Ihres gleichen sucht. Man nennt ihn auch den Steinpalast, oder den Labyrinth-Palast. Wir finden schnell heraus, dass Labyrinth es gut trifft. Steinpalast deswegen, weil für den Bau des Palastes die umliegenden Steine verwendet wurden. Es gibt 3 Eintrittstore und ein extra Gästehaus in blau, mit überwiegend Originalfliesen. Hier konnten 4 Gäste empfangen werden. Die Dicke der Wände kann bis zu einem Meter sein – daher ist es schon kühl. Interessanterweise oder besser gesagt, unglaublicherweise stammen alle Fliesen von einem! Handwerker namens Abdullah. Deswegen erhielt er den Beinamen Djin, denn dass er alle Fliesen alleine hergestellt hatte, konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Der Palast hat 163 Räume. Wir treten in einen weiteren kleinen Innenhof. Unser Khan von Xiva (= unser zusätzlicher Guide) hat dort nämlich einen Maulbeerbaum gepflanzt, welcher die Feuchtigkeit aus den Wänden ziehen soll. Er nennt den Baum liebevoll die Verliebten, weil die Wurzeln eng umschlungen sind. Spätestens da war für uns wirklich klar, dass wir mit el Jeffe aus Xiva auf Tour sind. Es gibt ein paar Abflüsse in den Höfen, die in eine Art Kanalisation führen. Aber richtig wissen, tut es niemand.









Am Ende schauen wir uns eine weitere Entdeckung an und statten dem Mennoniten Museum einen Besuch ab, die hierher kamen, weil sie Ihre Ruhe haben wollte. Der damalige Khan schenkte Ihnen 50 Hektar Land.
Abendessen und Melonenfest
Bevor wir zum Abendessen abgeholt werden, werden zu einem Aperitif in unserem Hotel eingeladen. Wie können zwischen Rot- und Weißwein und Vodka wählen. Wir entscheiden uns für Weißwein, der bei über 30 Grad Außentemperatur ordentlich reinzwiebelt. Da fällt die Wortwahl kurzzeitig schwer. Hihi. Zum Abendessen sind wir erneut in einer Art Tourischuppen, wo außer uns nur eine andere deutsche Reisegruppe ist. Das rein vegetarische Essen ist mal wieder vorzüglich und im Anschluss lassen wir uns das jährlich stattfindende Melonenfest der Region nicht entgehen. Es sollen später nämlich auch Melonen verschenkt werden. Das spornt unseren Reiseleiter zur Höchstform an. Sabrina kommt den ganzen Abend nicht drauf klar, dass es diese Veranstaltung für Melonen gibt und ich bin mit den Menschenmassen schier überfordert. Zunächst ziehen wir ohne Melonen und Reiseleiter zurück ins Hotel. Wir gehen (natürlich absichtlich) einen Umweg, sodass wir grade am Hotel ankommen als unser Reiseleiter mit zwei Melonen unter dem Arm eine für uns an der Rezeption abgeben will. So konnten wir „Bob“ gleich selbst in Empfang und mit aufs Zimmer nehmen. Ihr fragt Euch warum man mit einer Honigmelone namens Bob, der mindestens zwei Kilo wiegt durchs Land reist? Gute Frage – die beim nächsten Artikel aufgelöst wird.


Fun Facts
- Es gibt Brotstempel. Die sind eine Art Wappen oder eben eine coole Gorm des Branding. Man weiß so, wo das Brot herkommt.
- Minarette in der Nähe der Festung des Khan mit Harem sind sehr klein, weil niemand von außen über die Mauer gucken durfte.
- Die Portale sind meist aus Ulmenholz.
- Türen sind extra klein, damit man sich beugen muss.
- Tübbeteken (Lautschrift) waren früher bis zu 3 kg schwer. Das ist so eine Kopfbedeckung aus Fell, die wie ein Pouf für den Kopf aussieht. Lustige Geschichte : Wenn der Vater nach Hause kam, warf er seinen Hut. Hat das Mädchen den Hut aufgefangen, war sie heiratsfähig, falls nicht, dauerte es noch bis sie verheiratet werden konnte.
- Die Gastfreundschaft kennt keine Grenzen. Hier werden alte Türen rausgerissen um sie dem Museum zur Verfügung zu stellen.
- Hier wurden bei einigen Medresen und anderen Gebäuden Horizontalsperren entweder aus Schilf oder Granit verwendet, um die Feuchtigkeit fernzuhalten.
- Eine Medrese ist eine Koranschule mit eingebautem Studentenwohnheim. Dort wurde hauptsächlich der Koran, Theologie und ein paar andere Fächer gelehrt. Es konnte sein, dass auf dem Gelände auch die hohen Handwerkskünste, wie z. B. die Holzschnitzerei zu erlernen war.
- Es gibt viele Brunnen in der Altstadt. In Chiva haben viele Karawanen „halt gemacht“ und auf so einer anstrengenden Reise braucht man ne Pause. Da das Wasser in Chiva so gut geschmeckt hat, ertönte oft der Ausruf: „Hei wa“ (in Lautschrift), was soviel bedeutet wie „leckeres Wasser“. Im weiteren Verlauf der Geschichte wurde daraus dann Xiva.
Vokabeln
Darvoza - - Tor
Tosh - - Stein
Ota - - Großvater
Bog'Cha - - Gärtchen
Polvon - - kräftige Männer
Lorkomli ischtaha (in Lautschrift) - - Guten Appetit
Torrre (Lautschrift) - - richtig
Xayr (gesprochen wie Hajer) - - Auf Wiedersehen
Rachmat (Lautschrift) - - Danke
Erkenntnisse an Tag 5
- Mit Klimaanlage schlafen ist blöder, als ich dachte.
- Blog schreiben macht ungesellig.
Dieser Blogartikel hat mich echt Nerven gekostet, aber der Reiseführer für Xiva ist dann wohl fertig. 🤪

14 Stunden…
… auf den Beinen, sind zu viel unterwegs und zu wenig Zeit, um einen Blogbeitrag zu schreiben. Deswegen nur ein kleiner Teaser für die kommende Geschichte mit dem Titel „Der Khan von Xiva“. Stay tuned.

Schlaglochpisten und Essen
Kleiner Nachtrag zu Tag 3 „Nichts für Weicheier“
Ich muss mich korrigieren, denn ich behauptete fälschlicherweise, dass wir schon zwei Mal eine kurze Nacht hinter uns hatten. Nach den Erfahrungen von gestern auf heute, war die Nacht wirklich kurz. Das Ende des gestrigen Reisetages war geprägt von: war anders geplant…
Tatsächlich hatte die Zugfahrt irgendwann ein Ende. Der Zug war pünktlich und wir steigen aus. Endlich froh die Maske los zu werden, werden mit den Massen aus dem Zug gespült, denn dieser endet in Taschkent. Fühlt sich fast an, wie nach Hause kommen. Um zu verstehen, was uns nun bewegt, ist eine kleine Erklärung notwendig. Taschkent hat zwei Bahnhöfe und der eine ist fast fußläufig zur Unterkunft und der andere – na ja irgendwie – halt am Ende der Stadt. Vorher steht scheinbar nicht wirklich fest, wo der Zug nun ankommt. Vor der Abfahrt hieß es, wir kommen an dem Bahnhof in der Nähe des Hotels an. Wir verlassen den Bahnhof (der sich äußerlich überhaupt nicht von seinem Pendant unterscheidet) und irgendwie denken wir noch: „Da können wir ja zu Fuß zum Hotel gehen.“ In der Regel wartet ein Fahrer auf uns, wenn wir irgendwo ankommen. Dieses Mal nicht. Unser Reiseleiter hängt schon am Telefon, was für uns bedeutet, dass wir um 21:45 Uhr am falschen Bahnhof stehen und der Fahrer halt am-anderen-Ende-der-Stadt-Bahnhof vergebens unsere Koffer in seinen Chevrolet Lacetti räumen will. Wir haben ständig diese leise Stimme im Kopf, die uns voll fies zu ruft „Um fünf Uhr werdet Ihr wieder abgeholt und vorher gibt es noch was zu Essen im Hotel.“ Erstmal muss man ja auch ins Hotel kommen. Unser Fahrer schafft es in etwafünfzehn Minuten zu uns. Zwischenzeitlich ist unsere Stimmung natürlich spitzenmäßig. Nach 22:00 Uhr herrscht glücklicherweise kein allzu großer Verkehr mehr, sodass wir etwa nach weiteren fünfzehn Minuten am Hotel sind. Dort noch schnell einchecken und dann wollten wir direkt in Richtung Speisesaal aufbrechen. Wir werden fast barsch zurückgerufen. Man wolle uns doch unser Zimmer zeigen. Etwas entnervt folgen wir in den 3. Stock. Raum 302 liegt direkt neben dem Aufzug. Es kommt ein bisschen Stress auf. Essen, Koffer aus- und wieder einpacken, Blogartikel versuchen hochzuladen, oder gar sowas wie Körperpflege. Die Uhr tickt. Unser Portier stockt kurz vor der Tür von Raum 302 und öffnet sie trotzdem. Upsi – dieses Zimmer ist wohl belegt. Er entschuldigt sich, sagt er kommt gleich zurück und verschwindet im Aufzug. Ein ungemeiner Stimmungsaufheller. Mich ärgert das deutlich mehr als Sabrina. Ich hab keinen Bock mehr und will ins Bett. Wir warten und nach kurzer Zeit öffnen sich die Aufzugtüren und wir steuern auf Zimmer Nummer 308 zu. Ganz im Gegensatz zu Zimmer 302 ist hier die Tür weit geöffnet, alle Fenster stehen auf und werden teilweise von einem Stuhl offen gehalten. Upsi – dieses Zimmer ist wohl auch nichts für uns. Tick Tack. Ich bin schon dermaßen resigniert, dass ich mich erstmal auf einem Sessel vor dem Aufzug einrichte, denn der Portier verschwindet erneut mit entschuldigenden Worten im Aufzug. Sabrina harrt tapfer an Zimmer 308 aus. Währenddessen nutzen wir das WLAN aus. Der Portier erscheint erneut. Neuer Versuch Zimmer 306. Erstmal erscheint alles unauffällig, die Tür ist zu und das Zimmer scheint verlassen. Die Uhr tickt. Wir diskutieren darüber, ob wir jetzt überhaupt noch Bock haben noch mal runter zu gehen, um was zu Essen. Ich bin dermaßen drüber, dass mir grade alles egal ist. Sabrina überredet mich doch noch was zu Essen, denn Frühstück wird es nicht geben, wie wir wissen. Wir gehen wieder runter und hoffen, dass unsere Suppe fertig ist. Der pompöse Frühstückssaal wird damit zur Stube für unseren Mitternachtsimbiss. Zum Glück kommt direkt der bestellte Salat und gleich darauf die Suppe. Entweder schmeckt es so gut, weil wir ausgehungert sind, oder weil es einfach schmeckt. Während wir sprichwörtlich die Suppe aus Fehlplanungen, Zufällen und Champignons ausgelöffeln, kommt Regung ins Personal. Die Küchentür schwingt auf und ein weiterer Gang, den wir eigentlich abbestellt hatten, erreicht in Form von zwei Stücken Karottenkuchen unseren Tisch. Zwischendurch kommuniziert Sabrina mit der Heimat und ich versuche fluchend den letzten Blogartikel hochzuladen. Hoffentlich kommen nicht noch mehr Gänge… Die Uhr tickt. In der Regel lassen wir uns mehr Zeit beim Essen, aber jetzt schlingen wir alles rein. Ab ins Zimmer, notdürftige Katzenwäsche, Koffer und Taschen so packen, dass man fliegen kann und dann Licht aus. Zum letzten Mal schaue ich um Punkt Mitternacht auf die Uhr. Kurzer Powernap, der um 04:15 Uhr endet. Krempel wieder einpacken und dann brechen wir in Richtung Flughafen auf. Mein bisheriger Lieblingsfahrer holt uns ab und bringt uns zum Terminal.
Applaus für Uzbekistan Airways
Das Domestic Terminal von Taschkent ist überschaubar und für diese Uhrzeit bereits gut gefüllt. Wir stellen uns erneut genau in die Schlange, wo es am längsten dauert. Alle anderen konnten bereits woanders einchecken, nur wir halt nicht. Irgendwann gelingt es uns doch und kurze Zeit später sitzen wir in der Abflughalle. Sabrina knipst ein paar schöne Fotos vom Sonnenaufgang, während ich sitzen bleibe und schon mal ein paar Gedanken niederschreibe. Es gibt in der einzigen Abflughalle nur 4 Gates und trotzdem schaffen wir es uns falsch anzustellen. Typisch. Im Flieger angekommen, verliere ich ziemlich schnell meine Skepsis gegenüber der usbekischen Airline. Super nettes Personal, bequeme Sitze und eine top gepflegte Maschine. Sorry Turkish Airlines – der Inlandsflug hat Eure Langstrecke abgehangen. Es gab vor der Start Wasser und während des Fluges erneut Getränke. Ich bin mehrfach eingedöst. Ach so – der Flug ging übrigens von Taschkent nach Urganch. Das liegt in der Provinz Xorazm. Neuer Flughafen, neuer Fahrer, neue Entdeckungen. Dieses Mal werden wir nicht gefragt, ob wir lieber mit offenem Fenster oder Klimaanlage fahren wollen. Die Klimaanlage kommt sofort zum Einsatz. Ich denke, dass gibt eine Indikation zur Temperatur…



Auf den Spuren von Indiana Jones
Heute standen zwei archäologische Ausgrabungsstätten auf dem Plan und ein Mittagessen in einer Jurte. Klingt irgendwie nach Abenteuer. Allein schon die Straßenverhältnisse lassen sich als solches beschreiben. Man liest verschiedentlich in Reiseführern, dass die Straßenverhältnisse zu wünschen über lassen. Jau- dem würde ich mehr als zustimmen. Deswegen fährt der Usbeke aber keinen Allradwagen. Ein weißer Chevrolet tut es auch. Dieses weiße Schlachtross bringt uns über einen Weg, der ein Flickenteppich aus Straße ist, raus aus Urganch mit Ziel Tuproq Qual‘A. Auf dem Weg dorthin fahren wir in die Provinz Karakalpakstan. Genauer gesagt nach Südkarakalpakstan. Bei diesen Namen denke ich nun wiederum nicht an Herr-der-Ringe, sondern an Star Wars. Karakalpakstan könnte irgend so ein abgelegener Planet im Outer Rim sein. Dies ist die erste Ruine, die wir uns anschauen, die bereits aus der Ferne zu erkennen ist. Nicht zum ersten Mal denke ich an Marokko in diesem Urlaub. Diese Perser haben eben überall auf der Welt Ihre Spuren hinterlassen. Außer uns ist weit und breit niemand zu sehen und wir befinden uns mitten in der Pampa. Vor ein paar Treppenstufen halten wir an und beginnen mit dem kleinen Aufstieg. Da bin ich noch mutig ohne Kopfbedeckung unterwegs. Die Hitze ist mir wohl schon im Auto zu Kopf gestiegen… Die Treppenstufen nehmen irgendwie doch kein Ende und bei knappen 40 Grad komme ich recht schnell aus der Puste. Oben angekommen hat man eine herrliche Weitsicht. Kein Wunder, dass eine solche Anlange, an solch einem Platz gebaut wurde. Unser exklusives Erlebnis währte nur kurz, denn dann hat ein Kleinbus Touristen ausgekippt. Wir mit unserem Privatreiseleiter haben uns eben schon daran gewöhnt. Davon abgesehen gibt es in Usbekistan zwar Touristen, aber wir sind größtenteils immer der gleichen Gruppe begegnet. Das ist jammern auf sowas von hohem Niveau. Jedenfalls hatte diese Siedlung im 1. Jahrhundert etwa 2.500 Einwohner. Die Dimension kommt auf den Fotos, wie üblich, nicht so ganz rüber. Der damalige Herrscher hat sich eine ganz passable Hütte mit über 100 Räumen eingerichtet. Das Foto im Reiseführer unterscheidet sich deutlich vom heutigen Aussehen, denn der Wind, der auf diesem Hügel herrscht und die Erosion haben einen Großteil bereits abgetragen. Der starke Wind täuscht über die Hitze hinweg. Zurück im Auto stellen wir fest, dass eine Kopfbedeckung beim nächsten Stop wichtig ist. Sabrina fragt, ob ich mich denn überhaupt eingecremt hätte…












Next stop Wüstenfestung Ayaz qala und Kopfstand in der Jurte
Weiter poltert das weiße Schlachtross durch das Outer Rim. Der Plan sieht vor, dass wir die zweite Festung besichtigen und dann in einer Jurte zu Mittag essen. Dieses Mal sind wir dem Essen nicht so abgeneigt wie sonst, weil wir kein Frühstück hatten. Ayaz qala sind die Ruinen einer ehemaligen Festungsanlage, die sich aus einem Erdhügel in der Wüste erhebt. Indiana Jones hätte seine Lederjacke nach 30 Sekunden ausgezogen. Auf dem Weg wandelt sich die Steppe mehr in eine Wüstenregion um. Wir folgen einer Straße die sich endlos lang vor uns ausbreitet. Der Horizont lässt sich nur flimmernd in der Ferne erahnen. Die Fantasie geht mit einem durch. Am Horizont zieht gemächlich eine Karawane vorbei. Selbst durch die Autoscheibe brutzelt mein Arm in der Sonne. Wie gut, dass ich zwei Kopfbedeckungen dabei habe, von denen mir eine nicht mehr passt und der zweite Hut irgendwo in den Unweiten meines Koffers verschollen ist. Da bleibt nur das Czech aus Marokko, denn das kommt mit solchen Temperaturen bestens klar. Dieses habe ich in weiser Voraussicht in den Handgepäcksrucksack gepackt. Langsam nähern wir uns dieser imposanten Festung, von der noch ein größerer Teil erhalten ist. Wir steigen an einem Parkplatz aus und mir verschlägt die Hitze fast den Atem. Ich denke, dass mich das Czech schon schützen wird. Wir müssen ein Stück gehen, um vom Parkplatz den Erdhügel zu erklimmen. An und für sich nicht schlimm, aber in dieser Hitze komme ich nur langsam voran (#dieerbseimvakuum). Auf dem oberen Plateau angekommen frage ich mich, wie hier überhaupt jemand freiwillig wohnen kann. Unser Reiseleiter teilt fleißig sein Wissen und so kann ich es mir doch vorstellen. Dann wäre ich doch super gerne dorthin gereist. Nach einem kleinen Rundgang steigen wir wieder hinab. Das Mittagessen ruft. Vor der Jurte können wir uns die Hände waschen und beim Blick in den Spiegel sehen wir zwei Menschen die beide einen hochroten Kopf haben. Vor dem geistigen Auge sehe ich mich schon in einem usbekischen Supermarkt umherirren, weil ich auf der Suche nach Quark bin… Uns wird eine Jurte geöffnet und dort wartet bereits ein gedeckter Tisch mit allerlei Köstlichkeiten. Gleichzeitig mit uns ist eine usbekische Reisegruppe in der Jurte und weil wir eben die Exoten sind, sitzen wir schon alle beisammen und lächeln freundlich, aber mit hochroter Birne, in die Kamera. Wir waren quasi teil der Attraktion. Hihi. Ansonsten bin ich erstmal einfach nur platt und habe das Gefühl, dass ich gleich komplett zerfließe. Nach etwa zwanzig Minuten hat sich mein Körper beruhigt und meine Gesichtsfarbe nähert sich wieder dem Normalzustand an. Darauf erstmal einen schönen heißen Schwarztee und eine wohlschmeckende heiße Gemüsesuppe. Wir bekommen wieder ein typisch usbekisches Mittagessen. Unser Guide kennt uns inzwischen gut genug, dass er für ein rein vegetarisches Mittagessen gesorgt hat. Danach chillen wir noch eine Weile, bevor es zurück in die Provinz nach Xorazm mit Ziel Chiva. Dort übernachten wir direkt in der Altstadt und sind umgeben von historischen Gebäuden und Denkmälern. Den Rest des Nachmittages haben wir „frei“. Wir krempeln daher die Arme hoch und waschen erstmal ne Runde ein paar Klamotten durch. Eben unter die Dusche und dann machen wir uns auf die Suche nach Postkarten. Dafür bleibt nicht all zu viel Zeit, denn natürlich sind wir für 18:00 Uhr zum Abendessen eingeplant. Uns erwartet ein 4 Gänge Menü, was uns schon wieder zu viel vorkommt, aber auch hier kommen wir fleischlos davon. Chiva werden wir Morgen den ganzen Tag zu Fuß erkunden. Wir sind sehr gespannt. Nach dem Abendessen haben wir die Dachterrasse gesucht und gefunden. Eine Wahnsinns-Aussicht, die man da hat. Der Sonnenuntergang hätte besser nicht sein können. Morgen gibt es mehr von Chiva.














Erkenntnisse Tag 4
Usbekiztan Airways ist meine neue Lieblingsairline.
Bei einem 1,5 Stundenflug wird zwei Mal Wasser serviert.
Klatschen bei der Landung ist in Zentralasien weit verbreitet und wirkt auf uns komisch.
Die Seidenstraße, auf der wir heute unterwegs war, hat uns wieder eine neue Facette vermittelt, die sich sehr von dem bisher Erlebten unterscheidet.
Unser Reiseleiter hat verstanden, dass wir gerne vegetarisch essen. Ein richtiger Durchbruch könnte man sagen.
Wenn unser Reiseleiter eine Zeitangabe macht, dann sollte diese stets verdoppelt werden und man kommt in etwa hin.
Wir hatten heute zum ersten Mal zwei Stunden zur freien Verfügung.



Schneeblindes Wachs in Kokant
Heute heißt es früh aufstehen, denn wir werden um 08:00 Uhr abgeholt. Es geht von Margilan in Richtung Kokant. Spontan fassen wir morgens den Entschluss das Frühstück ausfallen zu lassen. Beim Abendessen am Abend zuvor, konnten wir den Fleischkonsum, nicht wie sonst, auf ein Minimum reduzieren. Ein typisch usbekisches Restaurant hat entweder vier verschiedene Speisekarten oder bietet eben nur eine einzige Speise in leicht veränderbarer Form an. Diese Speise bestand aus Fleischspießen. Hier konnte man einzig wählen, ob man eine Art Hackfleisch, oder Fleischstücke am Spieß haben wollte. Auf Nachfrage gab es dann doch überraschenderweise einen Gemüsespieß, den wir ausgeschlagen haben. Bei vielen traditionellen usbekischen Restaurants kommt jemand mit einem sehr großen Tablett, auf dem kleine Schälchen mit verschiedenen Leckereien und Brot angeboten werden. Da kann man sich direkt die Sachen aussuchen, die einem gefallen. Meist ist Brot gleich dabei, sodass man in der Regel 60 Sekunden, nachdem auf seinem „Bett“ platzgenommen hat, mit der Schlemmerei beginnen kann. Tee gibt es grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit. Zurück zum Thema. Kein Frühstück heute. Erneut erwartet uns ein neuer Fahrer der gleich schon mit seiner auffälligen Sonnenbrille ins Auge sticht.
Erbse in Vakuum
Kleiner Seiteneinschub. Ich tippe die Zeilen während ich im Zug von Kokant nach Taschkent durchgeschüttelt werde. Es fühlt sich an wie im Film. Die Kamera fängt einen Zug ein, der langsam in den Bahnhof rollt und quietschend zum Stehen kommt. Wagen 5 ist der gewünschte Waggon, in den wir einsteigen. Es ist heiß, die Luft flimmert. Der Schweiß fließt in Rinnsalen den Rücken runter. Man hat diesen feinen Film auf dem Gesicht liegen, den man aus dem Fernsehen kennt, wenn der Hauptdarsteller in den Tropen gezeigt wird. Die Temperatur liegt bei 35 Grad, die sich anfühlen wie 45 Grad. Es wollen ziemlich viele Leute in diesen sowjetischen Zug einsteigen und man betet inständig, dass der Zug über eine Klimaanlage verfügt und die auch noch funktioniert. Im Zug kurze Erleichterung, denn man hört ein deutliches Rauschen. Der eigene Wagon ist voll besetzt, sodass schnell die Entscheidung fällt in dieser Affenhitze auch noch die Maske aufzusetzen. Dann schwitzt man partiell einfach ein bisschen mehr. Sabrina sitzt neben mir und hält ein Nickerchen. Dazu komme ich vielleicht auch noch, aber erst wird geschrieben. Nicht, dass ich hier Internetzugang hätte. Ich will mich damit auch nicht beklagen. Ich glaube mein Gehirn ist ausgetrocknet und im Moment rollt eine ausgetrocknete Erbse durch einen leeren Raum. Bei einem Blick aus dem Zugfenster ziehen diverse Baumwollfelder vorbei und wechseln sich mit diversen Hinterhöfen ab. Ich schweife völlig vom Thema ab, denn grade eben, war ich noch beim Start des Tages. Wir kehren später erzählerisch in den Zug zurück. [Aus Sabrinas Sicht bin ich einfach nur falsch angezogen…]

Batiken für Fortgeschrittene
Was ich hier so lapidar als Überschrift verwende, ist nicht negativ gemeint. Tatsächlich möchte ich meinen höchsten Respekt aussprechen. Es ist unfassbar viel Arbeit einen Schal aus Seide, oder Baumwolle herzustellen, dass man sich fragt, wie man ein solches Stück überhaupt bezahlen kann. Fangen wir vorne an. Seide beginnt mit Raupen, Raupen haben Hunger, die müssen gefüttert, gehegt und gepflegt werden, damit sie schön wachsen können. Dazu müssen aber eigentlich vorher Maulbeerbäume gepflanzt werden, denn die Raupen werden mit den Blättern der Maulbeere gefüttert. Die Raupe produziert dann einen Kokon. Diese kleinen Kokons werden an eine Fabrik geliefert, wie die die wir heute Morgen besucht haben. In rund zwei Stunden sind wir in der Fabrik mit Informationen rund um alle Fertigungsschritte versorgt worden. Ich weiß gar nicht ganz genau, was ich am interessantesten fand. War es das einkochen der Kokons, um daraus Fäden zu spinnen, oder der Einsatz von Tesafilm, wenn es um Färben geht. Schätzungsweise war es das Färben. Das habe ich ja irgendwie als Batiken für Fortgeschrittene bezeichnet. Hier die vielen Fertigungsschritte im Schnelldurchgang: Kokons kochen, Fäden ziehen, gleichen Prozess für alles wiederholen, was noch im Kochtopf geblieben ist. Die verschiedenen Kochvorgänge produzieren verschiedene Qualitäten. Dann werden die Fäden zum Trocknen aufgezogen. Der nächste Schritt besteht daraus, aus den Fäden lange Zöpfe zusammen zu stellen. Die vielen Zöpfe werden nebeneinander aufgespannt. Jetzt wird es künstlerisch, denn die auf diese Fläche wird das gewünschte Muster aufgetragen. Next step Tesafilm. Durch das Muster ergeben sich die einzelnen Bereiche für jeden Zopf, die in verschiedenen Farben gefärbt werden sollen. So einfach und verrückt es klingt – dafür kommt Klebeband zum Einsatz. Dann darf auch schon der Farbkasten ausgepackt werden, denn als Nächstes erhalten wir einen Crashkurs in Farbenkunde. Ungefähr an dieser Stelle fällt bei mir der Groschen, dass Batiken nichts anderes ist… Am Ende dieser Vorführung wird uns noch gezeigt, wie man richtig batikt. Dabei konnte ich beim Falten kurz unterstützen, denn es ging darum das gebatikte Tuch ordentlich zu falten. Dank Mutti lief das flüssig aus dem Arm, denn da unterscheidet sich Usbekistan nicht von der Eifel. Die fertig gefärbten Fäden konnten wir einmal in einer maschinellen Produktion und einmal in der Handarbeitsversion bestaunen. Dort werden ebenfalls Teppiche geknüpft. Darin sind wir erwiesenermaßen Profis. Auch in Zentralasien endet eine solche Führung wo? Genau- in einem Verkaufsladen. Was passiert in solchen Läden?

























Übrigens. In der Fabrik gibt es eine 40 Stundenwoche und am Wochenende (hier Freitag und Sonntag) gibt es auch. Aktuell wird in Usbekistan der Unabhängigkeitstag gefeiert, deswegen wirkte die Fabrik eher verlassen. Ein deutscher Einschlag war ebenfalls zu verspüren, da die Fabrik mit der giz (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) und der kfw zusammenarbeitet.
Wie Sabrina aus Versehen gehandelt hat
Ich konnte im Laden kein Design finden, welches mir zugesagt hat. Sabrina hatte diese Problematik nicht. Sie hat sich zwei schöne Stücke ausgesucht und steuert die Kasse an. Der Verkäufer packt liebevoll die beiden Stücke ein. Unser Reiseleiter ist bereits am Auto. Der Verkäufer tippt eine Zahl mit endlos vielen Nullen im Taschenrechner ein und zeigt das Display. Aus der Ferne kann ich die Nullen kaum überblicken. Sabrina sagt ja und legt ein paar Scheine auf den Tisch. Es kommt zu einem weiteren kurzen Wortwechsel und dann hat sich der Preis um 40.000 reduziert. Zurück im Auto herrscht kurze Verwirrung. „Ich hab gar nicht gehandelt.“ Ich bin keine große Hilfe, denn ich kann so gar nicht handeln. Es entsteht Pause und jeder hängt kurz seinen Gedanken nach. Plötzlich kommt die Erkenntnis, dass eben doch gehandelt wurde. Und zwar auf so eine subtile Art und Weise, dass Sie es selbst nicht gemerkt hat. Aus Versehen (im Nachhinein betrachtet natürlich aus voller Absicht) hat Sie eben mit vollem Selbstverständnis 40.000 SOM zu wenig auf den Tresen gelegt, was der Verkäufer dann als Handeln aufgefasst hat. So einfach kann es gehen.
Onkel Merjhat und Speisekarten

Unser heutiger Fahrer Onkel Merjhat (der schreibt sich bestimmt ganz anders) ist bis jetzt der gesprächigste Fahrer und fragt nach unseren Namen. Kleine Überraschung- auch Onkel Merjhat ist gastfreundlich. Er hält auf dem Weg nach Kokant am Straßenrand an und kauft für uns rote und weiße Weintrauben. Er klappt den Mittelsitz um, wäscht die Trauben mit Wasser ab und fragt, ob alles passt. Wir halten fest: Usbeken sind super gastfreundlich. Dies wird mit Sicherheit das Motto dieser Reise, falls es das nicht schon ist. Next stop: Mittagessen in Kokant. Ihr erinnert Euch. Frühstück war nicht und bis 12:00 Uhr sind die köstlichen Weintrauben alles was wir essen. Trotzdem wollen und vor allen Dingen können wir gar nicht super viel essen. Wieder bekommen wir eine Speisekarte in der wir immerhin Fotos haben. Trotzdem lässt sich nicht erkennen, wo überall Fleisch drin ist und wo nicht. Wir brauchen also wieder Unterstützung von unserem Reiseleiter. Wir enden damit, dass wir zwei Salate bestellen. Normalerweise würden wir ja teilen, aber wegen dem Frühstück und so. Ich zerfließe bereits im klimatisierten Restaurant und habe Angst diesen zu verlassen. Die nächste Attraktion ist fußläufig erreichbar.
Heimatmuseum – Palast Hudayar Khan
Wir gehen zu Fuß auf ein weiteres imposantes Gebäude zu. Dabei handelt es sich um die Palastanlage des Han Hudayar Khan. Ja – genau. Erstmal muss ich an Han Solo denken und im zweiten Schritt an Khan Nunien Sing. Die Nerds unter Euch können damit was anfangen. Für alle anderen lasse ich es unkommentiert. 😉 Ein Han ist so etwas wie Fürst und Khan ist einfach ein Name.
Früher einmal hat diese Palastanlage ein Areal von 8 Hektar bedeckt. Im Zuge der russischen Invasion blieb davon 1 Hektar übrig, der nach Originalvorlagen wieder aufgebaut wurde. Durch diesen Teil hat uns eine fachkundige Führerin durchgelotst. Sie hat Ihre Aufgabe sehr ernst genommen, denn sie hat kaum ein Ausstellungsstück ausgelassen. Während wir beide Schwierigkeiten hatten Ihr manchmal zu folgen, weil unseremGehirne inmitten der Palastanlage zu zerfließen drohten. Zwischendurch kam ich mir vor wie ein Stück Wachs. Die Palastanlage hat verschiedene Innenhöfe, auf die man ab und zu rausgeht. So muss sich Schneeblindheit anfühlen. Aus dem Palast auf einen Innenhof zu treten hat mir sprichwörtlich im Auge weh getan und für etwa 1 Sekunde war es so hell, dass ich mal gar nichts gesehen habe. So muss sich das auf dem Mt. Everest anfühlen… Im Anschluss haben wir noch ein paar Tourifotos gemacht.








Onkel Merjhat erwartete uns unweit, um uns an der Freitagsmoschee, die den Namen Jome Majmuasi trägt, wieder rauszulassen. Dies ist eine Moschee, wo draußen gebetet wird. Die Konstruktion ist wie üblich ziemlich beeindruckend. Im Zentrum steht ein etwa 20 Meter hohes Minarett. Bevor wir in den Zug steigen, besuchen wir noch einen Friedhof, wo die Familie der Khans begraben liegt.




Nichts für Weicheier
Wir wissen, dass wir um 16:00 Uhr zum Bahnhof in Kokant fahren und glauben zu wissen, dass die Zugfahrt zurück nach Taschkent 2 Stunden dauert. Was wir auch wissen: morgen früh um fünf Uhr werden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht. Im Laufe des Tages sprechen wir mit unserem Reiseleiter ein Drei-Gänge-Menü nach unseren Wünschen ab, damit wir nach der späten Ankunft im Hotel nicht mehr in ein Restaurant müssen. Um etwa 16:15 Uhr erreichen wir den Bahnhof, um zu erfahren, dass wir um 17:38 Uhr den Zug nehmen… Gut, sagen wir uns. Ist ein bisschen spät für ein so opulentes Essen, aber es geht ja noch. Dann liegen wir um 22:00 Uhr in der Koje. Weitere 15 Minuten später erfahren wir, dass die Zugfahrt 4! und nicht 2 Stunden dauert. Dann noch ein Drei-Gänge-Menü und dann quasi zum Flughafen, weil dann keine Zeit mehr fürs Schlafen bliebe. Wir sind ja noch jung, knackig und frisch und trotzdem schaffen wir das nicht… Also versuchen wir, so höflich wie wir können, die Gänge auf einen einzigen einzustampfen. Ich sage es erneut: hier sind alle extrem gastfreundlich.
So eine Studienreise ist nichts für Reiseanfänger.
Erkenntnisse an Tag 3
Es ist dunkel im Zug und wackelt, während wir uns mit gesalzenen Biogreno Reiswaffeln von familia selbst voll krümeln und über die Erkenntnisse von Tag 3 philosophieren (der noch lange nicht vorbei ist). Im Fernseher im Waggon läuft eine komische Musiksendung. Frischer könnten die gesammelten Eindrücke also gar nicht sein.
Plow ist UNESCO Weltkulturerbe. Soweit wir wissen, dass einzige Gericht, was ein Kulturerbe ist.
Der Wasserverbrauch ist hier sehr hoch.
Seide kann sehr hart sein.
Usbeken klemmen sich Teddybären oder andere Kuscheltiere und Luftballons ans Auto, wenn sie ein Neugeborenes aus dem Krankenhaus abholen.
Wir vermuten, dass Autos in Usbekistan einen Alarm von sich geben, sobald die Geschwindigkeit übertreten wird. Genau wissen tun wir das nicht.
Hier gibt es viele, viele Waschanlagen.
Studienreisen sind nichts für Anfänger. Wir haben teilweise weniger Zeit zwischen den Aktivitäten als die Mindestruhe vorschreibt.
Wir haben teilweise mehr Zeit zum Essen, als für die einzelnen Aktivitäten.
Wir fragen uns, wie Deutsch wir eigentlich sind.
Wir haben zwei Volkswagen id.4 entdeckt und fragen uns, wie weit man damit in Usbekistan wohl kommt.

Das Land ist anders als die Stadt
Inkontinente Koffer
Heute liegen ein paar Hundert Kilometer vor uns: Ziel Ferghanatal. Dementsprechend „früh“ geht es los. Die Nacht war für manche kürzer als gedacht, da ich endlos lange, wohl etwa 1,5 Stunden lang, Sachen hin und her geräumt habe… Schließlich galt es den Koffer wieder zu packen. Leider ist jetzt schon passiert, was man eher vom Ende der Reise kennt. Der Koffer ist – ohne, dass man was gekauft hätte, plötzlich voller als noch vor 24 Stunden. Ich möchte an dieser Stelle kurz Deichkind zitieren: „Schlaue Menschen kennen keine Grenzen“. Der Koffer ist zu voll? Wenn ich mich beim zumachen drauf setze, wird das schon, denke ich bei mir. Vielleicht war mein Optimismus zu sehr aus der Luft gegriffen… Ich hatte schön alles zu und dann kracht es und der gesamte Reisverschluss platzt auf. Sowas wünscht man sich auf einer Flugreise. Kurz gesagt: dumm gelaufen. Mit etwas weniger Gepäck hat der Reißverschluss gehalten. Den Rest hab ich in meinen Rucksack gestopft und als Tagesrucksack hat dann ein Stoffbeutel hergehalten.
Die meisten Fotos von heute stammen von Sabrina. Ich gebe es ja nur ungern zur, aber Ihr Smartphone macht wirklich tolle Fotos. Das obwohl es kein Apple-Gerät ist… Räusper-räusper.
Augenpflege
Es dauert endlos lange bis wir es aus Taschkent rausgeschafft haben. Bei so einer etwa fünfstündigen Autofahrt haben wir viel Zeit, um aus dem Fenster zu gucken. Wie hat Sabrina so schön gesagt: „Einer von uns hat immer geschlafen.“ Das Autofahren hat uns beide müde gemacht. Bei einem Teil der Fahrt war ich nicht müde. Im Gegenteil – da war ich ganz aufgeregt. Als wir auf einen Pass rauf gefahren sind. Das laute Motorgeräusch hat mich aus dem Dämmerschlaf gerissen. Eine ganze Weile fahren wir mit 4.000 Umdrehungen auf 2.000 Meter den Berg rauf….
Fotos gibt es trotzdem, weil entweder eine von uns wach war, oder wir netterweise an einem Fotospot angehalten haben. An einem dieser Fotostops habe ich sage und schreibe 200 SOM gefunden. Das entspricht in etwa 2 Cent.


Wie gemalt
Unmittelbar außerhalb der Stadtgrenzen von Taschkent fängt dann auch schon die Landwirtschaft an. Hier wird z. B. Obst, Gemüse und Baumwolle angebaut. Am Straßenrand der Autobahn, bzw. der Schnellstraße gibt es kleine Shops und Verkaufsstände, wo man Getränke und Snacks kaufen kann. Oder man kauft gleich eine Wassermelone von der Größe eines Fasses. Nach der eher landwirtschaftlich geprägten Aussicht können wir uns nun selbst ein Bild von der Steppe machen. Begleitet von einem leichten Dunstschleier wirkt die Aussicht surreal. Ganz zu schweigen von Bergen im Hintergrund, die aussehen als wären sie eine Tapete. Ein paar Nickerchen später taucht plötzlich ein Stausee aus dem Nichts auf. Farblich ein toller Anblick: Türkises Wasser, braune Steppe und blauer Himmel, ab und zu gesprenkelt von ein paar gründen Bäumen.



Lembasbrot am Checkpoint
Patir gab es mitten im nichts, an einer kleiner Kontrollstation. Es tritt plötzlich ein junger Mann hinter einem Schild hervor und reicht nach einem extrem kurzen Wortwechsel mit dem Fahrer zwei flache warme Taler (Patir) ins Auto. Zum Glück ist mir grade eingefallen, wie ich es schaffe wieder den Bogen zu Herr-der-Ringe zu schlagen. Zuerst musste ich an Lembas-Brot denken. Zumindest stelle ich mir vor, dass Lembas-Brot so schmecken könnte, auch wenn ich es noch nie probiert habe… 😉 Überhaupt wäre ich nach dem Verzehr von so viel Lembasbrot für die nächsten 20 Jahre satt, wie die Experten unter Euch sicher wissen. Worauf ich eigentlich hinaus wollte: die Usbeken (sorry, wenn ich mich wiederhole) sind außergewöhnlich höflich und gastfreundlich. Weiter führt uns die Route vorbei am kleinsten Gebirge der Welt bis wir im Feraghanatal mit Ziel Rishtan einfahren.

Essen ist fertig
Ich spreche für uns beide, wenn ich sage, dass wir mit der Menge an Essen, die uns hier vorgesetzt wird, überfordert sind. Gebucht haben wir Halbpension, bekommen tun wir jedoch All-Inclusive. Wir fragen uns, wie wir eine Million SOM an Bargeld in diesem Urlaub ausgeben sollen… Es gelingt uns nicht unsere SOMS loszuwerden. Mal sehen, wie es an der Geld-Ausgebe-Front weiter geht. Um den Bogen zurück zum Essen zu schlagen. Wir fahren also in Rishtan ein und halten vor einem (ich bin mal ganz direkt) extrem hässlichen Gebäude. Hier ist unser Mittagessen geplant. Ihr erinnert Euch? Vor etwa 10 Minuten gab es einen Taler Lembas-Brot aka Pitar. Mit anderen Worten, wir waren beide satt. Unhöflich wollten wir natürlich auch nicht sein und einheimische Küche wollen wir ja sowieso probieren. Jedenfalls zurück zum vermeintlich hässlichen Mittagsrestaurant. Abgesehen von der Tatsache, dass dort ausschließlich nur Männer saßen, waren wir mehr als überrascht, wo genau sie saßen. Dafür muss ich noch kurz erklären, dass es normal ist auf Betten zu sitzen und auf Ihnen zu Essen. Jetzt stellt Euch bitte zusätzlich noch vor, dass diese Betten über einem Fluß installiert waren, sodass man quasi direkt über dem Wasser gegessen hätte. Da wir ohnehin schon die Hauptattraktion waren, wollten wir nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf uns lenken. Jedenfalls stellte sich schnell heraus, dass dort das Nationalgericht Plow nur frisch zubereitet wird (Kochzeit etwa eine Stunde) und die kleinste Abgabemenge 1 Kilogramm beträgt. Unser Reiseleiter kennt uns inzwischen so gut, dass wir uns stets eine Portion von egal was teilen. Deswegen haben wir das Restaurant gewechselt, nur um gedanklich wieder in die gleiche Falle zu tappen. Wir ein kurzes Stück einer Seitenstraßen entlang und nähern uns wieder einem von außen komisch wirkenden Eingang. Kaum sind wir drin, erwartet uns ein opulenter Springbrunnen, Bananenpflanzen und ein freundlich gestalteter Innenhof. Wir suchen uns ein hübsches Bett und nehmen dort unser Mittagessen ein. Zu meiner Freunde, wird stets eine Kanne serviert, sodass ich trotz 35 Grad Außentemperatur nicht auf meinen geliebten Schwarztee verzichten muss. Zusätzlich haben wir heute auch Kirschsaft probiert. Zum Glück wurde in diesem Restaurant das Nationalgericht in kleineren Portionen serviert, sodass wir uns dieses Gericht teilen konnten. Nach dem Mittagessen geht es weiter in kleinere Viertel von Rishtan.



Von der Wolle bis zur Jurte
Mitten in einem Wohnviertel wurden die Türen geöffnet, um uns eine alte Handwerkstradition zu zeigen. Wir wissen nun so ungefähr, wie sich mit sehr einfachen Werkzeugen Wolle reinigen lässt, wie man einen Faden spinnt, einen Jurtegürtel (Verzierung von Jurten) im Hintergarten webt und wie man Teppiche mit Muster knüpft (ich übertreibe maßlos). Ich habe viele, viele Fragen gestellt, die teilweise so weit ins Detail gingen, dass sie schwierig zu übersetzen waren. Da ist meine Neugierde mal wieder mit mir davon gelaufen. Wir wissen nun ebenfalls wie man einen Wollteppich mit einem Blumenmuster herstellt (hier übertreibe ich nicht). 😀 Einfach Wollmuster legen, heißes Wasser drüber kippen, einrollen, einschnüren, auswringen, wieder heißes Wasser drüber kippen, auswringen, trocknen lassen – fertig. Easy going. So oder so ähnlich geht das.
Es gab auch einen Lehmofen im Garten. Leider war heute kein Brotbacktag. Vermutlich hätte es auch gereicht das Brot von außen aufzulegen. Zwei Sekunden in der prallen Sonne und der Schweiß läuft in Bächen an einem herab. Zum Abschluss gab es Trauben to go. Mal eben vom Dach abgeknipst. Hab ich schon erwähnt, dass die Usbeken gastfreundlich sind?









Nächster Halt: Töpferei. Die Region im Feraghanatal ist für die besondere Art des Tons bekannt, der einen tollen Klang hat, wenn man ein fertiges Produkt zum klingen bringt. Geduldig wurden unsere Fragen erst übersetzt und dann beantwortet. Man höre und staune: es sind über 40 Schritte notwendig, um aus einem Klumpen Erde mit Wasser ein fertiges Produkt herzustellen. Je nach Größe des zu fertigenden Stückes kann das bis zu einem Monat dauern. Ich wollte Euch noch ein Geheimnis verraten. Die Usbeken sind total gastfreundlich. Bevor wir gehen wollten, wurden wir auf eine Tee und usbekische Süßigkeiten eingeladen, deren Namen ich mir weder behalte, noch aussprechen könnte. Zugegeben waren auch Rosinen und Erdnüsse dabei (das geht linguistisch grade noch so).










Erkenntnisse an Tag 2
- In Taschkent ist es sehr grün.
- Usbeken sind sehr höflich.
- Es gibt Fahrer und Fahrer.
- Lorkom li tisch taha heißt Guten Appetit auf Usbekisch. Zumindest hört es sich so an.
- Hier gibt es kleine Kioske, die nach Marken benannt sind. „Coca-Cola Market“ oder „Colgate Market“ oder „Snickers Market“.
- Maulbeeren werden hier größtenteils für Seidenraupen angebaut.
- Eva wird Teppichknüpferin
- Die Gebäude wirken von außen bäh, sind aber meist von innen boa.
- Wenn grade keiner da ist, bzw. eigentlich fast immer, fährt man mitten auf der Straße.
- Autotüren öffnet und schließt man keinesfalls selbst.
- Wir sind zu schnell bei allem.
- Wir essen zu wenig. Zumindest glauben wir das.
- Es gibt Hecken aus Basilikum.
- Man merke: usbekische Schafe sind schwarz. Kirgisische Schafe weiß.
- Usbekistan ist ein Paradies für fleischfressende Pflanzen.
- Alle wollen wissen, wo wir herkommen.
- 90% der Häuser scheinen nicht fertig gebaut.
Liebe Gäste
Ich versuche ein paar Fotos hochzuladen, aber selbst das Veröffentlichen von Text ist zeit- und nervenraubend, denn die Performance lässt zu wünschen übrig… Daher kann es zu zeitlichen Verzögerungen kommen.
1. Stopp Frühstücksraum Asia Tashkent
Nach einer irgendwie kurzen Nacht, startet der Tag fürstlich und festlich, denn der Frühstücksraum ist mehr als pompös ausgestattet. Das Frühstücksbuffet kann sich sehen lassen. Einzig der Samowar lässt zu wünschen übrig. Da kommt das Wasser nur tröpfchenweise raus.

Hazrati Imam Komplex
Unser persönlicher Reiseleiter und unser Fahrer empfangen uns pünktlich um 10:00 Uhr vor dem Hotel und schon startet die Fahrt durch die 2,5 Millionen-Metropole Taschkent. Die Dimensionen der Straßen sind gigantisch. Wir starten mit einer der bekanntesten Sehenswürdigkeit in Taschkent: dem Hazrati Imam Komplex. Dazu gehört das Mausoleum Shayx Hovendi at-Tahur und das Mausoleum Toli Bey. In religiösen Stätten ist das fotografieren übrigens verboten, deswegen gibt es nur Aufnahmen von außen.



Erdbeben Monument + Anxor
Es gab im Jahr 1966 ein schweres Erdbeben, das Taschkent fast vollständig zerstört hat. Glücklicherweise forderte dieses Beben nur wenige Todesopfer im Vergleich zur Stärke des Bebens. Gleich hinter dem Monument fließt ein kleiner Seitenarm des Anxor. Dieser Name erinnert mich übrigens wieder an Herr-der-Ringe.


MUSEUM DER KÜNSTE Amaliy Sanat Muzeyi
Ein sehenswertes Museum, was sich den unterschiedlichen Handwerkskünsten widmet. Von Webereien, Teppichen, Keramiken, Stickereien, Metall- und Holzbearbeitung bis zur Architektur selbst, lässt sich Einiges entdecken.










Wir sind ansonsten viel durch die Stadt gefahren. Unter anderem waren wir an einem Denkmal von Yuri Gagarin, sind mit der U-Bahn gefahren, haben die außergewöhnlich gestalteten Stationen bestaunt, sind durch einen Park mit einem Denkmal von Amir Timur spaziert (der wird auf unserer Reise noch eine größere Rolle spielen) und haben den Abend mit einem netten Abendessen ausklingen lassen.







Erkenntnisse an Tag 1
- In Usbekistan hat alles seine Ordnung.
- Hinten anschnallen ist nicht.
- Hier ist alles seeeeehr sauber.
- In der Metro steht man direkt für uns auf.
- Taschkent hat seeeehr breite Straßen. Teilweise 8-spurig.
- In Taschkent lässt es sich gut aushalten.
- Usbekische Menükarten mit kyrillischen Buchstaben können wir nicht lesen.
- Taschkent ist sehr multikulturell.
- Wir können unseren Reiseleiter gut leiden.
- Wir haben gelernt, wie man in Usbekistan studieren kann.
- Wir sind beeindruckt wie sprachgewandt viele Usbeken aufwachsen.
- Handwerklich haben die hier einiges auf dem Kasten.
- 35 Grad in langer Kleidung gehen voll klar.
- Chevrolet Lacettis ist die AUTOmarke schlechthin. Natürlich nur in weiß.
- Der Koran kann zuweilen in einem riesigen Buch niedergeschrieben werden.
- Der Umgang mit der Währung ist neu für uns. Jeder führt gerade etwa eine halbe Million SOM mit sich rum.
- Wenn wir auf eine Sehenswürdigkeit oder Ähnliches aufmerksam gemacht werden, werden wir mit „Liebe Gäste“ angesprochen. Daran kann man sich gewöhnen.
Reisen im Jahr 2022 laufen…
für mich nicht unbedingt glatt. Warum? Es hat meist damit zu tun, dass ich hauptsächlich vor und während der Reise erkranke. Deswegen sind meine Krankheitstage dieses Jahr von 0 auf zu viele angestiegen. Anderes Thema. Ich möchte mich gar nicht zu stark beschweren, denn ich tippe diese Zeilen von Gate 5A aus Istanbuls Flughafen. Doch, wie könnte es anders sein – beinahe wäre es gar nicht dazu gekommen.
Power can be held in the smallest of things
Ein kleiner Nerdeinschub, da doch jetzt bald die neue Herr-der-Ringe-Serie auf Amazon startet. Jedenfalls kam mir dieser Satz in den Kopf, als ich darüber nachgedacht habe, wie viel Ärger und Schmerz eine kleine Sache ausmachen kann. Bei der „kleinen“ Sache handelt es sich um den Stachel einer Wespe, die mich etwa vor einer Woche gleich drei Mal gestochen hat. Erst denkt man sich: „Muss das jetzt sein?“ und hat augenblicklich im Hinterkopf, dass das kein gutes Vorzeichen für die Reise ist. Long story short. Es hat den Reisebeginn unnötig spannend gemacht. Im 4 Tagen war ich zwei Mal beim Notdienst im Krankenhaus. Einmal, weil sich der erste Stich entzündet hat und stetig gewachsen ist. Die zweite Runde habe ich gestern absolviert, weil ich das vorher verschriebene Antibiotikum nicht vertragen habe… Noch gestern Abend hätte ich mich überall – nur nicht im Flieger sitzen gesehen. Die Tabletten wurden kurzerhand abgesetzt und heute bin ich zwar nicht das blühende Leben, fühlte mich aber immerhin flugbereit.
Wo geht die Reise hin?
Von Istanbul aus würde man so ziemlich überall in der Welt hingelangen. Unser Ziel ist Usbekistan. Wie komme ich drauf, darf man sich fragen. Auch diese Geschichte ist schnell erzählt. Sabrina hat mir Anfang des Jahres zwei Fragen gestellt: 1. Hast du diesen Sommer schon was vor? 2. Lieber Roadtrip durch Slowenien oder Usbekistan? Ich direkt so: Usbekistan. Es gab ein paar weitere Detailabsprachen und dann war alles im Kasten. Manchmal kommt sowas ohne lange Planung aus.
Exotische Reiseziele werfen Fragen auf
Die Reaktion der meisten Leute war. „Ah – Usbekistan?“ oder „Ähm – wo ist das eigentlich überhaupt noch mal?“ und „Wie kommst du denn darauf?“ „Was schaut Ihr Euch alles an?“ Gerade bei der letzten Frage, habe ich oft peinlich berührt aus der Wäsche geguckt. „Öhm ja- also – ähm – na ja – ich weiß nicht so genau?!?“ Diese Aussage hat meist großes Unverständnis ausgelöst. Zu meiner Ehrenrettung – wir reisen pauschal und damit komplett organisiert. Also hab ich jedes Recht dazu. 😉 Im Gegensatz zu meinen letzten Reisen, die es alle Wert gewesen wären sie zu erwähnen, wollte ich dieses Mal diesen Blog wieder bedienen. Ich habe keinen Schimmer, ob ich überhaupt zuverlässig Zugang zum Internet habe. Das werden wir wohl gemeinsam rausfinden.
Gate 5A beginnt sich immer weiter zu füllen. Was sich schon sagen lässt. Im Wartebereich sind Sabrina und ich die Exoten. Soviel steht mal fest. Während ich etwas unbequem auf meinem iPad rum tippe, schlaut Sabrina sich im Reiseführer auf und wirft mir ab und ein paar Informationsbits rüber.
